pro agro-Trendumfrage Sommer 2022

Wachsender Pessimismus durch Ukraine-Krise

Die Stimmung in der Lebensmittel erzeugenden Agrar- und der verarbeitenden Ernährungswirtschaft hat sich im ersten Halbjahr 2022 spürbar verschlechtert. Während die Branche zu Beginn des Jahres die Geschäftsaussichten noch verhalten optimistisch beurteilt hatte, ist das Meinungsbild in den folgenden Monaten erheblich düsterer geworden: Die große Mehrzahl der befragten Unternehmen in Brandenburg schaut inzwischen pessimistisch in die Zukunft. Das ist das zentrale Ergebnis der Trendumfrage zur Jahresmitte 2022, in der es um die Auswirkungen der Ukraine-Krise ging: Lieferengpässe sowie Kosten- und Preissteigerungen hinterlassen deutliche Spuren.

Die Trendumfrage, ein Gemeinschaftsprojekt von pro agro, Landesbauernverband und Cluster Ernährungswirtschaft, ist Teil des pro agro-Branchenbarometers, das Ende 2021 ins Leben gerufen worden war. Die Ergebnisse der ersten Online-Umfrage sind im Frühjahr 2022 veröffentlicht worden (Details siehe hier). Die wirtschaftlichen Unternehmensdaten sollen zwei Mal pro Jahr erhoben werden: Das „pro agro-Branchenbarometer“ mit grundlegenden Daten jeweils zum Jahresende, die „pro agro-Trendumfrage“ dagegen zur Jahresmitte und mit einem engen Bezug zu einem aktuellen Thema.

Frage: Haben sich nach Beginn der kriegerischen Handlung Russlands in der Ukraine Ihre Geschäftsaussichten für das Jahr 2022 verändert?  (Angaben in Prozent)

Quelle: pro-agro-Trendumfrage Juli/August 2022

„Es wird derzeit viel gesprochen und geschrieben über Lebensmittel: Hohe Verbraucherpreise, Versorgungslücken bei einigen Produkten, Probleme bei Rohstoffen zur Verarbeitung – wir wollten es von unseren Mitgliedern und weiteren Unternehmen aus der Region genauer wissen“, nennt Kai Rückewold, Geschäftsführer des Agrarmarketingverbandes pro agro, als Grund dafür, dass die Trendumfrage noch vor Beginn der Sommerferien gestartet worden ist.

Thematisch stand die Befragung unter folgendem Motto: „Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die Branche in der Hauptstadtregion“. Daran beteiligt haben sich 107 Unternehmen aus Brandenburg, davon 70 Prozent pro agro-Mitglieder. Selbst wenn es sich nach wissenschaftlichen Standards nicht um repräsentative Ergebnisse handelt, sind die Daten allemal aussagekräftig genug für ein klares Meinungsbild.

Klar ist beispielsweise, dass die wirtschaftliche Zukunft heute eher pessimistisch gesehen wird. So gaben über zwei Drittel der Unternehmen (69 Prozent) zu Protokoll, dass sich die Geschäftsaussichten für 2022 als Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine eingetrübt haben (siehe Grafik „Verschlechterte Geschäftsaussichten“). Die Unternehmen klagen über zunehmende Belastungen durch steigende Energie- und Transportkosten (91 Prozent) sowie über Beschaffungsprobleme und (mangelhafte) Zuverlässigkeit in den Lieferketten (69 Prozent).

„Es liegt nahe, dass bei schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die erzielten Preise steigen sollten“, weist Kimberley Biele, Leiterin der Befragung bei pro agro, auf einen anderen Lösungsansatz hin. Hier besteht jedoch eher ein heterogenes Bild: 49 Prozent der Unternehmen sagen, sie können die Produktpreise anheben und die andere Hälfte (51 Prozent) verneint dies. Große Unsicherheit besteht daher auch bei der Frage, ob die steigenden Kosten künftig an Kunden – hier meist an den Handel – weitergegeben werden können. 55 Prozent der Befragten glauben dies nicht oder sind sich nicht sicher, ob es funktionieren kann. Nur ein gutes Drittel (36 Prozent) sieht die Möglichkeit, Kosten auf Preise umzulegen.

Frage: Welche Kooperationsansätze in der Region wären für Sie hilfreich, um Negativeffekte abzumildern? (Angaben in Prozent)

Quelle: pro-agro-Trendumfrage Juli/August 2022

Mit Blick auf die Konsumenten ist die überwiegende Mehrheit (81 Prozent) der Befragten überzeugt, dass sie verstärkt auf die Preise schauen und kostengünstiger einkaufen. Generell wird kritisiert, dass die Politik das Thema regionale, resiliente Versorgung zunehmend aus den Augen verliert (54 Prozent). Über 30 Prozent befürchten gar, dass die finanzielle Förderung der regionalen Ernährungswirtschaft schlechter wird.

Trotz der angespannten Situation hält die Branche nach Lösungen Ausschau, wie sie die Probleme abfedern kann. Mit anderen Worten: In der Krise steigt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit (siehe Grafik „Wünschenswerte Kooperationen“). Als hilfreich sehen die Unternehmen zuallererst Einkaufsgemeinschaften für Energie (47 Prozent) an, mit 44 Prozent direkt gefolgt von Vermarktungsgemeinschaften. Ein PDF mit grafischer Auswertung der pro agro-Trendumfrage können Sie unter folgender Adresse anfordern: presse@proagro.de