Stimmen zur Branchenkonjunktur 2025/26

Vier Branchenpersönlichkeiten haben wir zum Abschluss des Jahres 2025 gefragt, wie die Geschäfte gelaufen sind, welche Perspektiven sie für 2026 sehen und was sie von der Politik erwarten. Es versteht sich von selbst, dass die Statements von Ludolf von Maltzahn (Ökohof Brodowin), Petra Lack (Werder Frucht) und Matthias Jahnke (Weingut Patke) alles andere als ein repräsentatives Bild der Befindlichkeiten und Sorgen vermitteln. Aber sie sind eine Momentaufnahme dessen, welche Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen derzeit vorherrscht – so vielfältig die Meinungen über die individuelle Geschäftslage und so einmütig die Wünsche an die Politik auch sein mögen. Das Statement von Dorothee Berger, obwohl selbst Unternehmerin, fokussiert aus Sicht der pro agro Vorsitzenden auf „das große Ganze“ der Brandenburger Ernährungwirtschaft.

Ludolf von Maltzan, Ökodorf Brodowin. „2025 ist für uns das dritte schwierige Jahr in Folge. Unser Konzept eines handwerklich strukturierten Bio-Unternehmens hat bis dahin sehr gut funktioniert. Dann ist jedoch die Nachfrage zurückgegangen, so dass wir gegensteuern mussten: Trennung von den Milchziegen und -kühen sowie Einstellung der Milchproduktion in unserer Molkerei. Fortführen werden wir die Lebensmittelverarbeitung in unserer Küche sowie den Lieferservice für Bio-Lebensmittel, wo wir unseren Kundenstamm erweitern werden (Neukunden sehr willkommen).

Gleichzeitig sind wir im Begriff, den Großhandel abzugeben und stattdessen neue Märkte zu erschließen. So werden wir 2026 unseren Hof in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten stellen. Mit dem Dreiklang „Bildung, Unterhaltung, Genuss“ wollen wir mehr Menschen motivieren, unseren Hof zu besichtigen und sich darüber zu informieren, was uns ausmacht. Dazu zählen auch Schulungen und der Besuch unserer „Genuss-Inseln“ (Hofladen und/oder Restaurant). Von der Politik wünsche ich mir, dass sie der ökologischen Landwirtschaft mehr Aufmerksamkeit schenkt und für die Belange der ostdeutschen Landwirtschaft ein offenes Ohr hat.“

Petra Lack, Werder Frucht. „Obwohl das Jahr 2025 für uns nicht gerade schlecht gelaufen ist, müssen wir aus Kostengründen die regionale Produktion im kommenden Jahr etwas zurückfahren. Das betrifft den Anbau von Auberginen, deren Gewächshäuser wir stilllegen werden. Es wird generell immer schwieriger, die regionale Produktion im gewohnten Umfang zu erhalten, da die Verbraucher sehr auf die Preise achten und sich in Kaufzurückhaltung üben.

Trotzdem hat Regionalität bei uns weiterhin einen hohen Stellenwert, und wir werden auch 2026 wieder Tomaten, Gurken und Paprika im Gewächshaus anbauen und auch unsere Flächen mit Kirschen, Zwetschen und Äpfeln bewirtschaften. Große neue Projekte haben wir für das kommende Jahr nicht geplant; investieren werden wir in unseren Maschinenpark sowie in die Modernisierung und Digitalisierung der Prozesse. Generell sind wir etwas besorgt darüber, dass es in Deutschland wirtschaftlich noch immer nicht so vorangeht, wie von der Politik versprochen. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie zügig die notwenigen Entscheidungen für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen trifft.“

Matthias Jahnke, Weingut Patke. „Das Jahr 2025 hat uns geschäftlich Freude gemacht. Das betrifft nicht nur die wirtschaftliche Performance, sondern auch die langfristige Ausrichtung unserer Unternehmensstrategie und die Personalfindung auf dem Arbeitsmarkt. Wir haben unsere Produkte weiterentwickelt und mit Blick auf unsere Zielgruppe erfolgreich am Markt platziert. Es ist alles so gelaufen, wie wir das geplant hatten. Im nächsten Jahr wollen wir weiter in die Angebotsentwicklung auf unserem Weingut investieren.

Was uns allerdings zu schaffen macht, ist die Regulierungswut der lokalen Genehmigungsbehörden, die unternehmerisches Handeln eher behindern als konstruktiv begleiten. Trotz dieser generellen Probleme blicken wir positiv in die Zukunft: Die Planungen für das kommende Jahr sind weitgehend unter Dach und Fach. Wir sind also gut vorbereitet und aufgestellt, so dass wir auf ein positives Jahr 2026 setzen – vorausgesetzt, dass sich die Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern. Politik und Verwaltung können uns immer noch einen Strich durch die Rechnung machen, das Wetter natürlich auch.“

Dorothee Berger, pro agro-Vorsitzende. „Die Brandenburger Ernährungswirtschaft hat das Jahr 2025 als Jahr des Aufbruchs erlebt. Ausgehend von der neuen Landesregierung – vor allem mit Blick auf das Landwirtschafts- und das Wirtschaftsministerium – spüren wir einen frischen Wind. Das äußert sich nicht nur darin, dass die Landespolitik ein offenes Ohr für die Themen unserer Branche zeigt, sondern auch in dem erkennbaren Willen, gegen Fehlentwicklungen vorzugehen. Wir wissen, dass wir geduldig sein müssen, wünschen uns aber, dass dieser Prozess den Betrieben wirkliche Entlastungen und gute Perspektiven bringt.

Das Jahr 2025 war aber auch ein schwieriges Jahr, weil die Branche nicht nur um den wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch um den Erhalt der gewachsenen Strukturen kämpfen musste. Trotz aller Bemühungen kam mancher Betrieb aus Kostengründen nicht daran vorbei, Unternehmensteile stillzulegen oder komplett aufzugeben. Außerdem war es notwendig, dass wir uns wegen der steigenden Preissensibilität der Verbraucher gemeinsam mit der Landesregierung stärker beim Thema Regionalität engagieren. Diese Zusammenarbeit werden wir im kommenden Jahr fortsetzen.

Bleiben wir realistisch: Auch 2026 werden wir als Unternehmer in einer regelbasierten Welt arbeiten, die uns das Leben an manchen Stellen nicht eben leicht macht – auch angesichts der politischen und wirtschaftlichen Großwetterlage, die den Verbrauchern die Konsumlaune verdirbt. Deshalb appelliere ich an alle Branchenunternehmen: Lassen Sie uns die Geschäftsmodelle neu justieren, um flexibler und innovativer am Markt zu operieren! Und intensivieren wir die Kooperation untereinander sowie mit den politischen und administrativen Entscheidern, um den Anstoß zu einem Mentalitätswandel zu geben und die Branche zukunftsfest zu machen.“