Regionalitätsstrategie bei Edeka

„Wir lieben Lebensmittel“. Wer kennt ihn nicht, diesen ebenso einfachen wie eingängigen Slogan der EDEKA, der inzwischen zur „Corporate Identity“ des Handelsunternehmens gehört – kaum ein Ort, wo der griffige Claim nicht prominent in Szene gesetzt wird: in der Image- und Produktwerbung, in den Läden, auf der Arbeitskleidung des Verkaufspersonals, auf der Verpackung der Eigenmarken etc. Diese Omnipräsenz ist mehr als nur Ergebnis einer ausgeklügelten Marketingstrategie. Sie ist Teil einer Mission namens „Nachhaltigkeit“, die u.a. in der unternehmerischen Umsetzung von Regionalität und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Produzenten und Lieferanten ihren Ausdruck findet. Wie diese Mission in der Praxis umgesetzt wird, darüber sprachen wir mit Marcus Reh, der bei der EDEKA Minden-Hannover für den Regionaleinkauf in Berlin/Brandenburg und Sachsen-Anhalt zuständig ist.

Seit 16 Jahren ist Marcus Reh als Einkäufer in „seiner“ Region unterwegs, betreut heute rund 400 Märkte und kennt das Interesse der Kunden an regionalen Produkten und die Befindlichkeiten, Wünsche und Sorgen der Lieferanten wie der Läden vor Ort. „Natürlich gab es schon 2009 regionale Produkte im Sortiment: bei Obst und Gemüse etwa oder Bier. Aber das ist kein Vergleich zu heute, da hat sich eine Menge getan“, erzählt er. Konkret: Während er damals gut 100 heimische Produzenten betreut hatte, sind es heute fünf Mal so viel. Insgesamt arbeitet die EDEKA Minden-Hannover mit rund 5.000 regionalen Produzenten zusammen.

Bestens vernetzt: Marcus Reh, Regionaleinkäufer Ost der EDEKA.

Die Zahl hat sich kontinuierlich nach oben entwickelt, selbst zu Corona-Zeiten hat es keine nennenswerten Einbrüche bei Vermarktung und Umsätzen gegeben. „Inwischen können wir sagen, dass wir in allen maßgeblichen Sortimentsbereichen regionale Artikel haben“, lautet seine Bilanz.

Aus Berlin/Brandenburg führt die EDEKA jetzt über 5.000 Produkte. Und dabei wird es nicht bleiben, sagt er. Und zwar nicht nur, weil die Nachfrage weiter steigt, sondern weil die Lieferanten dazugelernt haben. „Viele Erzeuger und Verarbeiter von Lebensmitteln, die vor Jahren ihre Zusammenarbeit mit uns begonnen haben, sind im Laufe der Zeit professioneller geworden“, betont er und spricht damit u.a. die Sortimentsqualität an, nicht nur mit Blick auf die Produkte selbst, sondern auch in Sachen Verpackung, also was den Markenauftritt und das Handling vor Ort angeht (Lager, Regale). Kurz: Die EDEKA ist überzeugt, dass Regionalität auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielt. Deshalb wird das Handelsunternehmen am Ball bleiben und die Imagekampagne des Landes Brandenburg „Deine Wahl ist regional“, deren Fortsetzung im Herbst gestartet wird, weiter unterstützen.

Bei allen Aktivitäten im Rahmen ihrer Regionalitätsstrategie denkt die EDEKA immer Nachhaltigkeit mit, weil sie diesen Punkt als Querschnittsaufgabe der Marktbearbeitung versteht. Als Fallbeispiel nennt Marcus Reh die Listung von neuen Produkten. „Bei den Gesprächen mit unseren Lieferanten geht es für uns nicht ausschließlich um Qualität, Preis und Menge der Produkte, sondern auch um den nachhaltigen Umgang mit ihnen: Wo kann man auf Kunststoff-Verpackungen verzichten und auf Mehrweg umstellen? Wann lassen sich Kisten statt Kartons einsetzen? Nachhaltigkeit in diesem Sinne spielt bei jeder Produktbewertung eine Rolle“, betont er.

Nachhaltiges Konzept: Christian Dorfmann vor seinem Zukunftsmarkt in Nauen.

Nachhaltigkeit wird bei EDEKA aber nicht nur im Sinne von Umweltschutz und Ressourcenschonung praktiziert. Anwendung findet dieses Prinzip auch bei den Lieferanten-Beziehungen. Auffällig in diesem Punkt ist nämlich die dauerhafte und von Vertrauen geprägte Zusammenarbeit mit den Partnern der Erzeuger- und Verarbeitungsstufe. „Das ist uns sehr wichtig“, sagt Marcus Reh, „deshalb haben wir hier kaum Fluktuation. Selbst wenn wir einem neuen Verbrauchertrend auf der Spur sind, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, das Sortiment – so weit wie möglich – mit unseren vorhandenen Partnern gemeinsam zu ergänzen und anzupassen“.

Das umfassende Verständnis von Nachhaltigkeit hat Eingang gefunden in den „Zunftsmarkt Dorfmann“ in Nauen, der ziemlich genau vor einem Jahr eröffnet worden ist. Seinerzeit hat uns der EDEKA-Kaufmann Christian Dorfmann sein innovatives Konzept vorgestellt (siehe auch hier). Auf 2.500 qm Verkaufsfläche hat man hier alle Register gezogen, um ein Stück Zukunft zu realisieren, allerdings nicht nur, was das Konzept und den Einsatz spezieller Materialien angeht. „Die Zukunft soll sich nicht nur in den baulichen Vorgaben zeigen, sondern auch im Inneren, also beim Warenangebot“, sagte er damals.

Integrierter Bestandteil des Ladenlayouts ist der so genannte Regionalmarkt, eine separate Fläche also, wo neue regionale Produkte eine prominente Präsentationsplattform erhalten „und nicht in der Masse der Ware untergehen“, wie der Kaufmann sagte. Hier können Produzenten sich selbst und ihre Erzeugnisse persönlich vorstellen, Verkostungen anbieten und in direkten Kontakt mit Kunden treten. Optisch ist die Fläche so gestaltet, dass eine Hofladen-Atmosphäre entsteht. Gerade kürzlich hat Inhaber Dorfmann anlässlich des einjährigen Jubiläums Kunden und Geschäftspartner eingeladen – darunter auch zwölf Lieferanten aus Brandenburg, die sich und ihre Produkte in pro agro-Marktständen vor dem Ladeneingang präsentieren konnten.

Individueller Auftritt: EDEKA-Partner stellen sich und ihre Produkte vor.

Regionalität und Nachhaltigkeit werden also auch unter der Überschrift „Sichtbarkeit in den Märkten“ praktiziert, und zwar nicht als Einzelfälle, sondern in der Multiplikation als Dauermaßnahmen. Derzeit arbeitet die EDEKA Regionalgesellschaft Minden-Hannover mit Hochdruck an einem innovativen Marketingkonzept, wie Regionalität innerhalb der Märkte dargestellt werden soll. „Wir haben noch einige Sortimentsveränderungen vor und wollen über eine zentrale Logistik verschiedene Dinge bündeln, um auch bei kleineren Lieferanten eine bessere Verfügbarkeit ihrer Produkte in den Märkten sicherzustellen“, verrät Marcus Reh – mehr aber auch nicht, außer: „Anfang 2026 wollen wir damit starten“.