pro agro-Unternehmerstammtisch Rewe-Ost

Am 16. April 2026 war es wieder so weit: Zahlreiche Rewe-Lieferanten unserer Region hatten sich auf Einladung von pro agro auf dem Spargelhof Klaistow eingefunden, um sich mit der Rewe-Ost über die gemeinsame Zusammenarbeit auszutauschen und aus berufenem Mund Informationen zum aktuellen Marktgeschehen in Berlin/Brandenburg und zur strategischen Ausrichtung der Rewe-Regionalgesellschaft zu erhalten. Mit 42 Teilnehmern aus 29 Unternehmen traf die Thematik auf sehr gute Resonanz. Inhaltlich führte Jan Schleicher (CM Leiter Region Ost), sekundiert von Franziska Rutz (Lokalitätsbeauftragte für Berlin/Brandenburg), durch den Nachmittag.

Gleich zu Beginn wartete Jan Schleicher mit den wichtigsten Kennzahlen (Stand: Dezember 2025) der Rewe-Ost auf. Das größte Vertriebsgebiet des Handelsunternehmens erstreckt sich von ca. 660 km Nord-Süd nach 460 km West-Ost und verfügt über 705 Märkte (selbstständige Kaufleute, Regiebetriebe und Nahkauf-Märkte) mit gut 29.000 Beschäftigten und über 1.500 Auszubildenden. Neun komplett neue Standorte und zwanzig Wieder- bzw. Neueröffnungen nach Renovierung bzw. Abriss zeugen von einem beachtlichen Expansionstempo.

Im Einsatz: Jan Schleicher beim Vortrag.

Laut Jan Schleicher verfolgt das Unternehmen bei der Neu- und Wiedereröffnung von Standorten konsequent die Verwirklichung von innovativen und zukunftsorientierten Konzepten. Dazu zwei Beispiele:

  • REWE Green Farming Berlin: Der Supermarkt mit Dachfarm in der Malteser Straße geht in wenigen Wochen ans Netz. Es handelt sich um einen modularen, kreislauffähigen Holzbau, dessen Baumaterial recycelt und wieder eingesetzt werden kann. Auf der Dachfläche befindet sich ein Gewächshaus mit einer Kapazität von 900.000 Salatmischungen pro Jahr. Das Gebäude wird mit 100 Prozent Grünstrom versorgt und hat 50 Prozent weniger Emissionen. Durch den Einsatz von Holz können im Vergleich zu einem Referenzmarkt der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen im gesamten Lebenszyklus rund 50 Prozent CO2 eingespart werden. Im Vergleich zu Standardmärkten liegt der Energiebedarf um 50 Prozent niedriger.
  • REWE voll pflanzlich: Die Kleinfläche (212 qm), ein ehemaliger Veganz-Standort in der Warschauer Straße (Berlin-Friedrichshain), hat ausschließlich vegane Produkte im Sortiment. Rund 2.700 Artikel bilden das Vollsortiment, darunter hohe Bio- und Eigenmarken-Anteile (je 20 Prozent). Viele frische Produkte (auch zum Sofortverzehr) und zahlreiche Laufkundschaft sorgen für hohe Frequenz.

Die Rewe-Märkte in der Region haben 2025 eine glänzende Performance hingelegt; nur zwei Discounter konnten höheres Wachstum verzeichnen. Aber: „Da wir im Osten eine im Bundesvergleich niedrigere Kaufkraft und höhere Arbeitslosenquote haben, sind unsere Kunden besonders preissensibel“, so Jan Schleicher. Beleg dafür ist, dass beispielsweise allein von der Rewe-Eigenmarke „ja“ (1.459 Artikel) ca. 11,5 Millionen Artikel pro Woche verkauft werden.

Auch der eigene Abhol- und Lieferservice in der Region Ost ist gut aufgestellt.

Noch Fragen? Jan Schleicher, flankiert von Franziska Rutz (links) und Kristin Mäurer, mit letzten Informationen.

Das dürfte mit der Struktur des Vertriebsgebietes zusammenhängen: auf der einen Seite ländlich geprägte Gebiete mit wenig stationären Geschäften wie Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, auf der anderen Seite urbane Dichte und entsprechende Kunden in Berlin. Auf jeden Fall werden alle drei Online-Services (Regionale Lieferung, Abholung, Markt-Lieferung) gut angenommen.

Des Weiteren machte Jan Schleicher deutlich, dass der Stellenwert von Regionalität bei Rewe sehr hoch ist. Allein unter der Eigenmarke „REWE Regional“ werden über 250 Artikel geführt, von denen wöchentlich mehr als 570.000 verkauft werden. Hinzu kommen die Herstellermarken, die unter dem Label „Aus deiner Region“ in den Regalen platziert sind. Pflege und Ausbau von Regionalität sind also praktisch und strategisch im Rewe-Geschäftsmodell fest verankert.

Privatissimum: Lothar Parnitzke (Kunella Feinkost) und Jan Schleicher im Gespräch.

Das betrifft aber nicht nur Waren und Dienstleistungen, sondern auch innovative Absatzformate zur Versorgung im ländlichen Raum. Beispiel hierfür ist die so genannte Nahkauf-Box, eine standardisierte, begehbare Verkaufsstelle, rund um die Uhr (24/7) geöffnet und mit 700 Artikeln auf 40 qm bestückt. Gezahlt wird mit Karte durch Self Checkout. Von der Nahkauf-Box, die sich in der Regie eines lokalen Rewe-Händlers befindet, sind bereits elf Standorte am Netz.

Dem gleichen Zweck dienen die Smart Stores, also nicht begehbare Verkaufsautomaten, wo der Kunde die Produkte mit dem Touch Screen auswählt und per Liftsystem auf dem Ausgabefach erhält. Auch hier kann nur mit Karte bezahlt werden. Die ersten Automaten wurden bereits vor Jahresfrist installiert.

Zu den neuesten Trends im Lebensmitteleinzelhandel sagte Jan Schleicher, dass „seit Anfang letzten Jahres nochmal deutliche Steigerungen bei allen proteinreichen Artikeln zu verzeichnen sind. Besonderer Treiber der Nachfrage ist und bleibt Social Media.“ Das sei ein Hinweis darauf, dass Sportlernahrung nicht nur ein Trend, sondern Lifestyle sei. Auch der Außer-Haus-Verzehr habe zugenommen. Ferner würden die Kunden positiv auf Aktionen reagieren und seien ernährungsbewusst. Fertiggerichte seien offensichtlich nicht mehr attraktiv genug, abgesehen vom asiatischen Sortiment, das sich insbesondere bei der Generation Y & Z besonderer Beliebtheit erfreut. „Frisch und Selberkochen rückt weiter in den Fokus“, so das Resümee des Rewe-Managers.

Netzwerken: Gedanken- und Erfahrungsaustausch zum Ausklang.

Aufgrund des umfangreichen Materials werden wir das wichtige und zukunftsorientierte Stammtisch-Thema „KI im Kerngeschäft“ im nächsten pro agro-Newsletter (Versand: 28. Mai 2026) separat behandeln. Hier erfahren Sie, welche KI-Module bei Rewe bereits im Einsatz bzw. im Test oder in der Planung sind.