pro agro-Branchenbarometer 2025/2026

Die jüngste Branchenumfrage skizziert in ihrer fünften Ausgabe ein eher enttäuschendes Stimmungsbild der Ernährungswirtschaft in Brandenburg. Vergleicht man die Aussagen von 2021/2022 und heute, hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. So sprachen seinerzeit immerhin 37 Prozent der Betriebe von einem besseren Geschäftsverlauf als erwartet, während 28 Prozent die Performance eher negativ beurteilten. Heute stellt sich die Situation gerade umgekehrt dar: Gut die Hälfte der Befragten (52 Prozent) gab zu Protokoll, dass die Geschäfte schlechter als erwartet liefen, und nur zwölf Prozent konnten sich zu einem positiven Urteil durchringen. Diese Kehrtwendung ins Negative hat sicherlich mit der geopolitischen/wirtschaftlichen Weltlage zu tun – aber nicht nur: Auch hausgemachte Probleme haben ihren Teil dazu beigetragen. Werfen wir einen Blick auf die zentralen Ergebnisse:

Beurteilung der Geschäftslage

Während die oben genannten Zahlen ein Ausdruck der enttäuschten Erwartungen sind (vgl. das entsprechende Chart), bewerten die Befragten die tatsächliche Entwicklung folgendermaßen: Die meisten Unternehmen (43 Prozent) schätzen das Geschäftsjahr 2025 in der Rückschau als „durchschnittlich“ ein, 28 Prozent beschreiben ihre wirtschaftliche Situation als „gut“ und 25 Prozent als „schlecht“. Etwas optimistischer fallen die Erwartungen für das laufende Jahr aus: 28 Prozent der Befragten rechnen mit einer besseren und 41 Prozent mit einer ähnlichen Entwicklung wie 2025. Für die Jahre bis 2030 gehen insgesamt 46 Prozent von einer Verbesserung der Geschäftsaussichten aus.

Investitionen und Neueinstellungen

Die für 2025 geplanten Investitionen haben nur 48 Prozent der befragten Unternehmen umsetzen können, 31 Prozent konnten sie nicht und 21 Prozent nur teilweise realisieren. Als Gründe für gescheiterte Investitionsvorhaben wurden unter anderem fehlende Liquidität, gestiegene Kosten, aber auch aufwendige Genehmigungs- und Planungsverfahren genannt. Doch trotz aller Herausforderungen haben die Unternehmen vor, jetzt und in naher Zukunft zu investieren, und zwar 69 Prozent der Betriebe im laufenden Jahr, 37 Prozent im nächsten und 28 Prozent im übernächsten Jahr. Keine Investitionen planen in diesem Zeitraum 17 Prozent der befragten Unternehmen.

Danach befragt, in welche Betriebsbereiche 2026 konkret investiert werden soll (Mehrfachantworten möglich), wurden an erster Stelle die Produktions- und Verarbeitungstechnik (79 Prozent), Gebäude und Infrastruktur (54 Prozent), Logistik und Vertrieb sowie Digitalisierung und IT (je 35 Prozent) genannt (siehe Chart „Geplante Investitionen“).

Aufschlussreich sind an dieser Stelle die Aussagen dazu, welche Investitionen in den genannten Betriebsbereichen im Detail geplant sind:

Produktions- und Verarbeitungstechnik: überwiegend in Maschinen und Anlagen (61 Prozent) wie beispielsweise Abfüll-, Verpackungs- oder Mischanlagen; Ersatzinvestitionen in veraltete Technik (56 Prozent) sowie in Automatisierungstechnik wie Roboter, Fördertechnik und Steuerungssysteme (41 Prozent);

Gebäude und Infrastruktur: Sanierung und Modernisierung (54 Prozent), Neu- und Umbauten oder Erweiterungen von Produktions-Hallen (39 Prozent);

Logistik und Vertrieb: Fahrzeuge (78 Prozent) und neue Vertriebswege wie Direktvertrieb und Online-Handel (56 Prozent):

Digitalisierung und IT: speziell in ERP-, MES- oder Warenwirtschaftssysteme (72 Prozent) sowie Cybersicherheit und Datenschutzmaßnahmen (50 Prozent).

In Sachen Personal planen 69 Prozent der befragten Unternehmen im laufenden Jahr keine Neueinstellungen.

Vermarktungs- und Vertriebswege Die wichtigsten Vermarktungswege (Mehrfachnennungen möglich) sind nach wie vor der Lebensmitteleinzelhandel (75 Prozent), die Direktvermarktung und der Großhandel/Gemeinschaftsverpflegung (je 48 Prozent) sowie die Gastronomie (33 Prozent) und die Online-Vermarktung (29 Prozent). Den weitaus größten Umsatzanteil erzielten die Produzenten 2025 im Lebensmitteleinzelhandel (48 Prozent), gefolgt von Direktvermarktung/Hofladen und Großhandel/Gemeinschaftsverpflegung (je 21 Prozent).

Befragt nach der geografischen Ausrichtung der Vermarktung (Mehrfachnennungen möglich) gaben 55 Prozent der Unternehmen an, ihre Produkte deutschlandweit zu vermarkten, während sich ein erheblicher Teil (61 Prozent) dabei auf den regionalen Markt in Brandenburg konzentriert. Auch Berlin bleibt für 53 Prozent der Befragten ein wichtiger Absatzmarkt. Viele Betriebe vergrößern ihre Reichweite auf die neuen Bundesländer (34 Prozent) und sind auch auf internationalem Terrain aktiv (16 Prozent in Europa, 8 Prozent darüber hinaus).

Fazit von pro agro-Geschäftsführer Kai Rückewold: „Vor dem Hintergrund der andauernden Krisen der letzten Jahre geht es inzwischen für einige Unternehmen vornehmlich um den bloßen Erhalt des Betriebes. Die Schließungen des Perleberger Schlachthofes oder der Eberswalder Wurstfabrik zeigen auf alarmierende Weise, dass selbst das Erhalten immer schwieriger wird. Der Unternehmensalltag besteht für viele Betriebe darin, unter den aktuellen Rahmenbedingungen durchzuhalten; an Wachstumsstrategien ist kaum zu denken. Dabei mangelt es keinesfalls an guten Produkten, innovativen Ideen, Fähigkeiten oder gar Investitionswillen auf Seiten der Branchenunternehmen.“

Informationen zum pro agro-Branchenbarometer: Rund 550 Unternehmen wurden zur Online-Befragung eingeladen. Bis zum Jahreswechsel 2025/2026 haben sich 75 aktiv beteiligt. 79 Prozent davon haben betrieblich eine konventionelle und 53 Prozent eine ökologische Ausrichtung (Mehrfachantwort möglich). Die Standorte der teilnehmenden Lebensmittelproduzenten sind über das gesamte Land Brandenburg verteilt. An der Umfrage beteiligten sich Unternehmen unterschiedlicher Größen: 36 Prozent Kleinstunternehmen (weniger als zehn Mitarbeiter), 25 Prozent kleine (weniger als 50), 20 Prozent mittlere (weniger als 250) und 19 Prozent mittelgroße Unternehmen mit weniger als 750 Mitarbeitern.