Klosterbrauerei Neuzelle

Es waren Mönche, die schon vor Jahrhunderten ein nahrhaftes Getränk erfanden, um ihre kargen Mahlzeiten während der Fastenzeit etwas aufzupeppen. So jedenfalls berichtet der Volksmund über die Anfänge des Bierbrauens. Nicht anders dürften es die Zisterzienser-Mönche gehalten haben, als sie 1416 im Kloster Neuzelle (Oder-Spree) die Braukunst für den kulinarischen Eigenverbrauch einführten. Heute werden in dem säkularisierten und stilvoll restaurierten Gebäudeensemble pro Jahr rund 30.000 Hektoliter Bierspezialitäten hergestellt und in alle Welt vertrieben. „Wir haben ca. vierzig unterschiedliche Rezepturen in unserem Fundus, die wir ständig – wenn auch nicht gleichzeitig – produzieren“, erklärt Stefan Fritsche, der die von seinem Vater übernommene Brauerei seit 2024 gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Patrick Fabian leitet.

Stefan Fritsche weiß mit seinem Team (37 Mitarbeiter, darunter zehn Auszubildende) die Tradition der handwerklichen Braukunst äußerst kreativ und originell mit den geschmacklichen Trends von heute und morgen zu verbinden. Aus seinem Mund klingt das wie folgt: „Als Manufaktur ganz im Sinne der Mönchstradition produzieren unsere heutigen weltlichen Klosterbrauer mit natürlichen Rohstoffen und viel Einfallsreichtum innovative Bierspezialitäten mit ganz eigenem Charakter.“ Oder auf die griffige Formel gebracht: „Jedes Bier ein Original“, was bei rund 40 Sorten durchaus eine organisatorische und technische Herausforderung ist.

Die Devise „Jedes Bier ein Original“ lebt Stefan Fritsche als mittelständischer Unternehmer vor. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen hat er sich auf die Fahnen geschrieben, den Ruf der Klosterbrauerei als Produzent außergewöhnlicher Spezialitäten aufzubauen und als Markenzeichen zu festigen; und zum zweiten hat er sich vorgenommen, mit seinen Bieren in aller Welt präsent zu sein. Beides ist ihm gelungen – allen Unkenrufen von Branchenexperten und Wettbewerbern zum Trotz.

„Nicht selten wurde ich gefragt, ob es uns so schlecht geht, dass wir unser Bier exportieren müssen. Meine Strategie war und ist vielmehr: Wenn du auf den internationalen Märkten bestehen willst, musst du ein Produkt anbieten, das geschmacklich und qualitativ außergewöhnlich ist“, erzählt er.

Ehrenplatz: Stefan Fritsche und der von Papst Franziskus im Jahre 2013 auf dem Petersplatz in Rom gesegnete „Schwarze Abt“.

„Das hat sich im In- und Ausland ausgezahlt.“ Zehn bis zwanzig Prozent der Produktion werden exportiert. Hier sind der Brauerei keine Wege zu lang: Die Spezialitäten aus Neuzelle findet man in Europa, Nordamerika und in Fernost. Natürliche Zutaten und mikrobiologische Reinheit sind dabei ein „Muss“ und nicht verhandelbar. Ähnlich sieht es bei den Ansprüchen an die Vielfalt der Sorten aus – hier stehen zusätzlich Kreativität und Orientierung an wechselnden Geschmackstrends im Vordergrund.

Hauptstandbein der Vermarktung (80 Prozent) ist nach wie vor der „Schwarze Abt“, ein tiefdunkles Bier von leichter Süße, der die „Schwarze Äbtin“ an die Seite gestellt wurde, die mit 1,9% Vol. leichter ist als das „männliche“ Pendant. Natürlich gehört auch das klassische Pilsener zum Sortiment, spielt aber bei Produktion und Vermarktung im Vergleich zu den Schwarzbieren eine eher untergeordnete Rolle. Flankiert werden die gängigen Produkte von fruchtigen Spezialitäten, die ihren Auftritt je nach Saison haben: Erdbeer-, Apfel-, Birne- oder Kirschbier, nicht zu vergessen das brandenburgtypische Spargelbier.

Die „Würzepfanne“: Im Sudhaus wird das Gemisch aus Wasser und Malzextrakt gekocht.

Aktuell auf dem Markt ist eine Innovation, die laut Stefan Fritsche „die traditionelle Brautechnologie revolutioniert“: das Bierpulver. Konkret: Nur 32 kg Bierpulver ersetzen zwei Paletten mit insgesamt 1.600 kg Bier. Das spart 90 Prozent der Transportkosten und eröffnet neue Absatzperspektiven. Denn „mit dem Pulver treffen wir genau den weltweit explodierenden Markt alkoholfreier Getränke.“

Da das neue Produkt nur für den Export gedacht ist, sind Kannibalisierungseffekte für das heimische Geschäft nicht zu befürchten.

Wenn auch das weit verbreitete Auslandsgeschäft sich in der Erfolgsspur befindet, spielt sich der Löwenanteil der Vermarktung nach wie vor in den neuen Bundesländern mit Schwerpunkt Berlin/Brandenburg ab. Das Spektrum der Absatzpartner reicht vom Getränkelogistiker über den Fachgroßhandel, Lebensmitteleinzel- und Spezialitätenhandel bis zu Reformhäusern sowie Kur- und Wellnesseinrichtungen. „Wir scheuen selbst mikroskopisch kleine Vermarktungsnischen nicht“, betont Stefan Fritsche. „Solange wir hier der Monopolist sind, fühlen wir uns sehr wohl.“


Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
033652/81070
fritsche@klosterbrauerei.com
www.klosterbrauerei.com