Die Trendumfrage für das pro agro-Branchenbarometer im Vorjahr hat gezeigt, dass mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen bis dato keine Berührungspunkte mit Künstlicher Intelligenz (KI) hatten. Angesichts der weit verbreiteten Indifferenz gegenüber diesem offenbar wenig geläufigen, aber zweifellos äußerst aktuellen und relevanten Thema hat sich der Verband pro agro dazu entschlossen, den Branchen-Unternehmen in einer Informations-Veranstaltung kompaktes Wissen über KI anzubieten. Am 27. und 28. Mai 2025 war es schließlich so weit: In einem Online-Seminar referierten Experten unterschiedlicher Disziplinen über die Funktionsweise, betrieblichen Einsatzmöglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen des digitalen Wunder-Werkzeugs. Martin Talmeier (Foto) vom Mittelstand-Digital-Zentrum Berlin legte den inhaltlichen Grundstein des Seminars. Für den Newsletter hat er seine Ausführungen noch einmal zusammengefasst.
Das Telefon klingelt. Wieder ein Konkurrent, der einen neuen Kunden gewonnen hat. Wieder jemand, der scheinbar mühelos die nächste Stufe erreicht, während Sie noch über den Stapel auf Ihrem Schreibtisch nachdenken. Die Wahrheit ist: In der heutigen Geschäftswelt wird die Zukunft nicht länger geschrieben – sie wird generiert. Und wer diese Macht nicht nutzt, läuft Gefahr, nicht nur zurückzufallen, sondern schlichtweg irrelevant zu werden.
Wir im Mittelstand-Digital Zentrum Berlin erleben das täglich: Einerseits spüren wir die wachsende Faszination für Künstliche Intelligenz, die das Potenzial hat, unseren Berufsalltag zu revolutionieren. Die einfache Verfügbarkeit von Chatbots wie ChatGPT oder Gemini weckt großes Interesse an den konkreten Einsatzmöglichkeiten von KI-Werkzeugen. Doch gleichzeitig begegnen uns auch Zweifel und Unsicherheiten: Ist das wirklich sinnvoll für mein Unternehmen? Wie fange ich an?
Die Antwort ist klar: Wenn Sie wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen Sie sich den aktuellen Entwicklungen stellen. KI ist kein ferner Traum mehr, sondern ein Werkzeug, das jetzt zur Verfügung steht und genutzt werden kann, um Prozesse zu optimieren, Ideen zu entwickeln und Ihre täglichen Aufgaben effizienter zu gestalten. Stellen Sie sich vor, Sie könnten E-Mails, die Sie sonst Stunden kosten würden, in Minuten formulieren. Konzepte für Marketingkampagnen, die früher Tage intensiver Brainstormings verschlangen, entstehen nun in wenigen Augenblicken. Oder Sie haben einen intelligenten Assistenten, der Ihnen hilft, komplexe Informationen zu strukturieren und auf den Punkt zu bringen. Einige Beispiele:
- Texterstellung und -optimierung: Ob Marketingtexte, interne Kommunikation, Entwürfe für Berichte oder sogar knackige Social-Media-Posts – Chatbots können Ihnen dabei helfen, überzeugende und präzise Texte zu generieren oder bestehende zu verbessern.
- Ideenfindung und Brainstorming: Sie stecken fest? Eine KI kann als kreativer Sparringspartner dienen, neue Perspektiven eröffnen und Sie bei der Entwicklung innovativer Lösungen unterstützen, sei es für ein neues Produkt, eine Dienstleistung oder die Optimierung interner Abläufe.
- Informationsbeschaffung und -strukturierung: Schnell Informationen zu einem Thema zusammenfassen, komplexe Sachverhalte vereinfachen oder Daten aus großen Textmengen extrahieren – Chatbots können hier immense Zeitersparnis bieten.
- Entwurf von Präsentationen und Vorträgen: Gliedern Sie Ihre Gedanken, entwickeln Sie Kernbotschaften und lassen Sie sich bei der Ausformulierung unterstützen, um Ihre nächste Präsentation auf ein neues Level zu heben.
Wir bieten Ihnen kostenfreie Workshops dafür.

Doch wie bei jedem mächtigen Werkzeug gibt es auch hier Fallstricke. Gerade generative KI, die in menschlicher Sprache kommuniziert, birgt das Risiko von Fehlinformationen, den sogenannten „Halluzinationen“. Der Charme und die Überzeugungskraft dieser Systeme können uns dazu verleiten, ihre Ausgaben unkritisch zu übernehmen. Zudem ist stets der Datenschutz zu beachten: Personenbezogene Daten oder sensible Unternehmensinterna sollten Sie vor der Eingabe in eine KI stets anonymisieren.
Als KI-Trainer am Hasso-Plattner-Institut und Verantwortlicher für die Workshops des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekts „Mittelstand-Digital Zentrum Berlin“ ist es meine Aufgabe, Mittelständler dabei zu unterstützen, ihre eigene Position in der Digitalisierung realistisch einzuschätzen. Ziel ist es, Herausforderungen zu identifizieren und durch unsere Weiterbildung einen zielgerichteten, nachhaltigen und selbstständigen Weg in die Digitalisierung und KI-Nutzung zu ermöglichen.
Denn in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz immer präsenter wird und scheinbar mühelos komplexe Aufgaben bewältigt, stellt sich die Frage: Brauchen wir unser eigenes Gehirn überhaupt noch? Die Antwort ist ein klares Ja – und mehr denn je. Gerade im Zusammenspiel von menschlicher Intelligenz und KI entfaltet sich das volle Potenzial dieser Technologie. Dabei sind allerdings einige Punkte zu beachten:
Die Illusion der mühelosen KI. Der Zugang zu leistungsstarken KI-Tools ist heute einfacher denn je. Man gibt eine Frage ein, und schon erhält man eine umfassende Antwort. Diese vermeintliche Leichtigkeit verleitet dazu, sich auf die KI zu verlassen und das eigene kritische Denken zu vernachlässigen.
Wie KI „denkt“ – und wo die Grenzen liegen. Die Grundlage vieler KI-Anwendungen ist Machine Learning. Hier lernt die Maschine aus einer Vielzahl von Beispielen und entwickelt ein Verständnis für Wahrscheinlichkeiten. Generative KI kann basierend auf diesem Gelernten völlig neue Inhalte erzeugen. Sie versteht den Inhalt jedoch nicht im menschlichen Sinne, sondern nur die Struktur und die Muster der Sprache. Dies führt zum Phänomen des „Halluzinierens“: Die KI kann überzeugenden Unsinn produzieren, wenn sie keine gesicherte Antwort findet, da sie darauf programmiert ist, immer eine Antwort zu liefern.
Menschliche Denkfallen im Zeitalter der KI. Unser Gehirn ist von Natur aus darauf ausgelegt, Energie zu sparen. Dies prägt unser Handeln. Im Umgang mit komplexen Themen neigen wir dazu, Probleme zu ignorieren, zu vereinfachen oder intuitiv zu handeln. Problematisch wird es, wenn wir Informationen als wahr annehmen, die objektiv falsch sind, aber von uns als „gewusst“ eingestuft werden.
Die Superkraft des menschlichen Gehirns. Trotz aller Fähigkeiten der KI besitzt der Mensch eine unersetzliche Stärke: die Fähigkeit, Systeme zu erkennen und kreativ zu sein. Während eine Maschine einzelne Informationen speichert, begreift der Mensch das große Ganze und kann aus Erfahrungen lernen und in neuen Situationen agieren.
Die Symbiose von Mensch und Maschine: Der „Best Buddy“-Ansatz. Die Vision ist nicht, dass die KI den Menschen ersetzt, sondern dass sie als „Best Buddy“ fungiert. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit erfordert geteilte Werte und Ziele. Es geht darum, gemeinsam zu arbeiten, statt sich von der Maschine nur loben oder kritisieren zu lassen. Um diese Symbiose zu fördern, sind einige Voraussetzungen essenziell:
- Ausprobieren und den richtigen „Chatbot-Body“ finden: Verschiedene KI-Modelle haben unterschiedliche „Persönlichkeiten“. Man sollte verschiedene Modelle testen und herausfinden, welches am besten zur eigenen Arbeitsweise passt.
- KI „impfen“: Man kann der KI gezielte Anweisungen geben, wie sie sich verhalten soll. Dies ermöglicht eine Feinabstimmung der Interaktion.
- Die KI-Richtlinie: Klare Regeln für den KI-Einsatz im Unternehmen sind unerlässlich. Sie schaffen einen Rahmen für die Nutzung, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit sensiblen Unternehmensdaten.
- Grundausbildung: Eine grundlegende KI-Ausbildung der Mitarbeiter befähigt dazu, die Möglichkeiten und Grenzen der KI besser zu verstehen und sie zielgerichteter einzusetzen.

KI ist nicht dazu da, uns das Denken abzunehmen, sondern uns zu befähigen, noch besser zu denken. Das volle Potenzial entfaltet sich, wenn wir unsere Kreativität, unser Systemverständnis und unser kritisches Denken gezielt mit der Rechenleistung und Datenverarbeitung der KI verbinden. Nur so können wir die Digitalisierung nicht nur meistern, sondern aktiv gestalten.
Übrigens, auch dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI in einem Zehntel der sonst dafür erforderlichen Zeit geschrieben. Nutzen auch Sie die Kraft von KI, konzentrieren Sie sich auf die wirklich wichtigen Dinge und lassen Sie KI für sich arbeiten. Melden Sie sich gern bei uns:
Anmerkung der Redaktion: Wir werden das Thema „Künstliche Intelligenz“ in loser Folge weiter verfolgen, insbesondere mit Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und Fallstricke sowie auf die umfassenden Einsatzmöglichkeiten als digitales Werkzeug im betrieblichen Alltag.
