Die Brandenburg-Halle (21a) war während der diesjährigen Grünen Woche in verstärktem Maße Ort von verabredeten Treffen Brandenburger Produzenten kulinarischer Spezialitäten mit verschiedenen Branchenplayern. Da waren zunächst die wie immer stark frequentierten Hallenrundgänge mit wichtigen Absatzpartnern (vgl. den Bericht in der Rubrik „Messe“ des aktuellen Newsletters). Da waren aber auch die beiden Meetings von Vertretern der Fleisch- und der Brauerei-Branche sowie vor allem die gut besuchte Premiere des „Abends der Brandenburger Ernährungswirtschaft“. Die Veranstaltungen zeigten einmal mehr, wie wichtig der kontinuierliche Austausch innerhalb der Branche und der direkte Dialog mit Politik und Verwaltung sind.
Fleischerhandwerk und fleischverarbeitendes Gewerbe
Auf Einladung von pro agro kamen am 19. Januar 2026 knapp 40 Teilnehmer im Beratungsraum der Brandenburg-Halle zusammen, unter ihnen auch der neue MLEUV-Staatssekretär Stephan Nikisch, der seit Oktober 2025 im Amt ist. Ein zentrales Thema der Diskussion war der aktuelle Stand des gemeinsamen Positionspapiers des Fleischerhandwerks Brandenburg, das im Dezember 2024 an das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) sowie an die Expertengruppe Fleischhygiene übermittelt worden war. Darin hatten die Betriebe konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik, in der aktuellen Diskussion wurde indessen deutlich, dass bislang kaum Bewegung in den angesprochenen Punkten erkennbar ist.
Ferner wurde die Schließung des Schlachthofs in Perleberg sowie des Eberswalder Wurstwerks in Britz als massive Belastung für regionale Wertschöpfungsketten, Logistik und Versorgungssicherheit beschrieben. Konkrete Lösungsansätze seitens der Politik konnten hierzu nicht präsentiert werden. Immerhin wurde deutlich, dass Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern an einer möglichen Lösung zum Erhalt des Standorts Perleberg arbeiten – ein Aspekt, der insbesondere für größere Berliner Verarbeiter von hoher Bedeutung ist.
Zum Abschluss der Veranstaltung stand der Blick nach vorn im Mittelpunkt. Trotz der insgesamt eher nachdenklichen Grundstimmung riefen Branchenvertreter dazu auf, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen, regionale Marken zu stärken und die eigene Wertschöpfung klarer zu kommunizieren.

Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien
Auf ihrem ersten Netzwerktreffen am 21. Januar berichteten die Brandenburger Genusshandwerker in Anwesenheit der Gäste aus dem Brandenburger Landtag und der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB) über ihre unternehmerischen Herausforderungen angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Zur Sprache kamen dabei u.a. die Kaufzurückhaltung der Konsumenten sowie die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreisentwicklung.
Insbesondere wiesen sie kritisch auf fehlende Unterstützungsprogramme für die in ihren Reihen eher kleineren Betriebe hin.

Als Beispiel nannten sie die Tatsache, dass Regionalität auf Landes- und Politikfesten eine eher untergeordnete Rolle spiele, da der Bierstand neben der Hauptbühne „gern an industrielle Großbrauereien außerhalb Brandenburgs“ vergeben werde. Die anwesenden Politiker zeigten sich offen für gemeinsame Lösungsansätze.
1. Abend der Brandenburger Ernährungswirtschaft
Ebenfalls am 21. Januar hatten sich auf Einladung des Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft (MLEUV) und pro agro über 150 Gäste aus Wirtschaft, Handel und Politik zur Premiere des Branchentreffens in die abendliche Brandenburg-Halle eingefunden. Die Gastgeberin, Ministerin Hanka Mittelstädt, hob in ihrer Begrüßungsrede hervor, dass ihr das neue Veranstaltungsformat „besonders am Herzen liegt. Wir wollen den Leistungsträgern der Branche damit unsere Wertschätzung zeigen und gleichzeitig auf Augenhöhe über die Rahmenbedingungen für Wachstumsimpulse sprechen“.
Zunächst sprach jedoch eine allenthalben bekannte und geschätzte Person, nämlich Heiko Terno, Chef des AWO Reha-Gutes Kemlitz und Erster stellvertretender Vorsitzender von pro agro, der in einem launigen Video-Clip die „Egg-zellenten Aussichten“ regionaler Produkte pries (mit einem Click auf das Bild sehen Sie seinen bühnenreifen Auftritt).

In der anschließenden Talkrunde ließen Dorothee Berger (Sandokan), Lothar Parnitzke (Kunella Feinkost), Gunnar Hemme (Hemme-Milch), Gerrit van Schoonhoven (Werder Frucht) und Willi Stollenwerk (Spreewald Feldmann) den Aufbau der Brandenburger Ernährungsbranche nach der Wende, den Gründungs- und Investitionswillen von Unternehmern aus Ost und West sowie das Zusammenwachsen der Branche zu einer starken regionalen Gemeinschaft Revue passieren.
Höhepunkt des Abends war die erstmalige Verleihung des Ehrenpreises „Brandenburger Star“ an Lothar Parnitzke (Kunella Feinkost) für dessen unternehmerisches Lebenswerk.
Der Preisträger habe bewiesen, dass Markenunternehmen aus Brandenburg Potenzial haben und in der Lage sind, auch große Hürden zu überwinden“, sagte die Ministerin in ihrer Laudatio und fügte hinzu: „Er ist ein wahrer Botschafter für die Leistungskraft der Brandenburger Ernährungswirtschaft.“ Der Geehrte selbst bedankte sich – sichtlich gerührt – mit den Worten: „Meine Lebensleistung gewürdigt zu wissen, macht mich stolz.“

