Schönwalde-Glien. Das pro agro – Branchenbarometer zum Jahreswechsel 2025/2026 skizziert in seiner fünften Ausgabe das unternehmerische Stimmungsbild der Ernährungswirtschaft des Landes Brandenburg. Befragt wurden die Unternehmen zum zurückliegenden Geschäftsjahr, den Geschäftsaussichten 2026, ihren Vermarktungswegen und ihren Planungen für Investitionen.
Die Ergebnisse des Branchenbarometers fasst der Geschäftsführer des Agrarmarketingverbandes pro agro, Kai Rückewold, wie folgt zusammen:
„Auch das Jahr 2025 war für die Brandenburger Ernährungswirtschaft ein weiters Jahr im bloßen Erhaltungsmodus. Blickte man vor einer Dekade noch zuversichtlich und mit Wachstumsgedanken in die Zukunft, so geht es vor dem Hintergrund der andauernden Krisen der letzten Jahre inzwischen für einige Unternehmen vornehmlich um den bloßen Erhalt des Betriebes. Die Schließungen des Perleberger Schlachthofes oder der Eberswalder Wurstfabrik zeigen uns auf alarmierende Weise, dass selbst das Erhalten zunehmend immer schwieriger wird. Der Unternehmensalltag besteht für viele Betriebe darin, unter den aktuellen Rahmenbedingungen durchzuhalten, an Wachstumsstrategien ist kaum zu denken. Dabei mangelt es keinesfalls an guten Produkten, innovativen Ideen, Fähigkeiten oder gar Investitionswillen auf Seiten der Branchenunternehmen.“
Zu den Gründen führt er aus:
„Die anhaltende Preissensibilität beim Verbraucher mag auch eine Rolle spielen, aber glücklicherweise hat Regionalität einen Markt und auch überzeugte Kunden. Vielmehr fehlt es den Unternehmen an geeigneten Förderprogrammen, die zu Bedarf, Größe und Struktur der Unternehmen der Brandenburger Ernährungswirtschaft passen, um erfolgreich im Wettbewerb, insbesondere mit größeren Playern der Ernährungsindustrie sein zu können. In Sachen Personalkosten vertreten wir zudem schon seit Jahren die Auffassung, daß die Lösung nicht über ständig steigende Mindestlöhne funktioniert, da dies auch eine Aufwärtsspirale bei den übergeordneten, höher qualifizierten Lohngruppen im Unternehmen in Gang setzt und dies die Lohnkosten über die Gruppe der Mindestlohnempfänger hinaus deutlich erhöht. Kein Brandenburger Unternehmer der Ernährungswirtschaft – oft ja auch Familienbetriebe – weigert sich, gutes Geld für gute Arbeit zu bezahlen, aber die Lohnkosten müssen auch erwirtschaftet werden können.
Hier fordern wir, daß in den relevanten Lohnbereichen mehr Netto vom Brutto die Lösung sein muß, vielleicht sogar branchenspezifisch und an Regionalität geknüpft. Auch die nach wie vor hohen Aufwendungen für teilweise sich doppelnde bürokratische Anforderungen hindern unsere Unternehmen, sich ihrem eigentlichen Betätigungsfeld, der Produktion unserer Nahrungsmittel fokussiert widmen zu können.“
Die Daten im Überblick
Geschäftsaussichten
Die meisten Unternehmen (43%) schätzen das Geschäftsjahr 2025 als „durchschnittlich“ ein. 28% der Betriebe bewerten ihre Lage als „gut“, während 25% die wirtschaftliche Situation weiterhin als „schlecht“ einschätzen.
Für die Hälfte der Unternehmer (48%) war die Entwicklung ihres Geschäftsjahres 2025 schlechter als zu Jahresbeginn erwartet, für 36% der Unternehmer haben sich die Geschäfte entwickelt, wie erwartet (siehe Graphik Trübere Geschäftsaussichten).

Etwas optimistischer fallen die Erwartungen an das Jahr 2026 aus: 28% der Befragten erwarten eine bessere Entwicklung als 2025. 41 % gehen von einer ähnlichen Entwicklung ihrer Geschäfte wie in 2025 aus. Für die Jahre bis 2030 gehen insgesamt 46% von einer langfristigen Verbesserung der Geschäftsaussichten aus.
Investitionen und Neueinstellungen
Ihre für das Jahr 2025 geplanten Investitionen haben nur 48 % der befragten Unternehmen umsetzen können. 31 % konnten diese nicht wie geplant umsetzen und 21% nur teilweise. Als Gründe für gescheiterte Investitionsvorhaben wurden unter anderem fehlende Liquidität, gestiegene Kosten, aber auch aufwendige Genehmigungs- und Planungsverfahren genannt.
Trotz aller Herausforderungen zeigt die Umfrage, dass die Unternehmen Investitionen für die kommenden Jahre planen. Für das Jahr 2026 planen 69% der Unternehmen zu investieren, für 2027 37% und im Jahr 2028 28%. Keine Investitionen in den kommenden 3 Jahren zu planen, gaben 17% der an der Umfrage beteiligten Unternehmen an.
Danach gefragt, in welchen Bereichen konkret im Jahr 2026 im Betrieb investiert werden soll (Mehrfachantworten möglich), wurden Produktions- und Verarbeitungstechnik (79%), Gebäude- und Infrastruktur (54%), Digitalisierung & IT sowie Logistik & Vertrieb (je 35%) genannt (siehe Graphik Geplante Investitionen).

Im Bereich Produktions- und Verarbeitungstechnik sollen die Investitionen überwiegend in Maschinen und Anlagen (61%), wie z.B. Abfüll-, Verpackungs- oder Mischanlagen sowie Ersatzinvestition für veraltete Technik (56%) und Automatisierungstechnik wie Roboter, Fördertechnik, Steuerungssysteme (41%) fließen.
Bei der Gebäude- und Infrastruktur werden Investitionen in den Bereichen Sanierung und Modernisierung (54%) und Neubauten, Umbauten oder Erweiterungen von Produktions-hallen (39%) geplant.
Die im Bereich Digitalisierung und IT geplanten Investitionen sollen speziell in ERP-, MES-, oder Warenwirtschaftssysteme (72%), Cybersicherheit und Datenschutzmaßnahmen (50%) getätigt werden.
Bei Investition im Bereich Logistik und Vertrieb sollen diese in Fahrzeuge (78%) und neue Vertriebswege, wie z.B. Direktvertrieb und Onlinehandel (56%) vorgenommen werden.
Der Großteil der Unternehmen (69%) plant 2026 keine Neueinstellungen. 27% der Unternehmen planen im Jahr 2026 1 bis 3 neue Mitarbeiter einzustellen.
Vermarktungs- und Vertriebswege
Die Unternehmen der Brandenburger Ernährungswirtschaft nutzen verschiedene Absatzkanäle zum Vertrieb ihrer Erzeugnisse. Die wichtigsten Vermarktungswege (Mehrfachnennungen waren möglich) sind weiterhin der Lebensmitteleinzelhandel (75%), gleichwertig die Direktvermarktung und der Großhandel/Gemeinschaftsverpflegung (jeweils 48%) sowie die Gastronomie (33%) und die Onlinevermarktung (29%).

Befragt nach dem Absatzkanal, der den größten Umsatz erzielt, ergibt sich folgendes Bild. Mit dem Lebensmitteleinzelhandel erzielten im vergangenen Geschäftsjahr 48% ihren höchsten Umsatzanteil, mit größerem Abstand folgen die Direktvermarktung/Hofladen und der Großhandel/Gemeinschaftsverpflegung mit jeweils 21% (siehe Graphik Differenzierte Vermarktungswege).
Befragt nach der geografischen Ausrichtung der Vermarktung (Mehrfachnennungen waren möglich) gaben 55% der Unternehmen an, ihre Produkte deutschlandweit zu vermarkten, während sich ein erheblicher Teil (61%) dabei auf den regionalen Markt in Brandenburg konzentriert. Auch Berlin bleibt für 53% ein wichtiger Absatzmarkt. Viele Betriebe erweitern ihre Reichweite auf die neuen Bundesländer (34%) und begeben sich auch auf internationales Terrain (16% in Europa, 8% im außereuropäischen Ausland).
Hintergrundinfo zum pro agro-Branchenbarometer
Rund 550 Unternehmen wurden zur Online-Befragung eingeladen. Bis zum Jahreswechsel 2025/2026 haben sich 75 Unternehmen aktiv beteiligt. 79 Prozent der teilnehmenden Betriebe haben betrieblich eine konventionelle Ausrichtung und 53 Prozent eine ökologische (Mehrfachantwort möglich). Die Standorte der teilnehmenden Lebensmittelproduzenten sind über das gesamt Land Brandenburg verteilt.
An der Umfrage beteiligten sich zu gleichen Teilen Unternehmen unterschiedlicher Größen: 36 % Kleinstunternehmen (weniger als 10 Mitarbeiter), 25 % kleine Unternehmen (weniger als 50 Mitarbeiter), 20% mittlere Unternehmen (weniger als 250 Mitarbeiter), 19% mittelgroße Unternehmen (weniger als 250 Mitarbeiter).
73 % der befragten Betriebe gehören keiner Unternehmensgruppe an.
