Q-Regio Handelsgesellschaft

„Unternehmensnachfolge 2025: Mittelstand schlägt Alarm“. Mit dieser Mitteilung schreckte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) Ende 2025 die mittelständischen Betriebe Deutschlands auf. Demzufolge trafen rund 9.600 übergabebereite Unternehmen auf nur ca. 4.000 potenzielle Interessenten. Diese Ziffern stehen für sämtliche Branchen, darunter vor allem Familienbetriebe. Also haben wir uns gefragt: Wie sieht die aktuelle Situation in der Lebensmittelwirtschaft Brandenburgs aus? Wie läuft der Übergabe-Prozess tatsächlich? Welchen Einfluss hat das auf die künftige Unternehmensstrategie? Wir werden das Thema in loser Reihenfolge auf der Basis praktischer Erfahrungen beleuchten. Unser erstes Beispiel ist die Q-Regio Handelsgesellschaft.

Im Jahre 1994 verließ der niederländische Landwirt Pieter Wolters mit Kind und Kegel seine Heimat, um in Brandenburg für sich und seine Familie eine neue Existenz aufzubauen. 50 Hektar Wiesen und 70 Milchkühe waren einfach zu wenig, um langfristig gut über die Runden zu kommen. In Bandelow (Uckermark) fand er das, was er brauchte: einen Hof mit über 1.000 Hektar Fläche und Platz genug für 1.400 Milchkühe.

Platz genug auch, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen: die Produktion von Käse. Am Anfang stand die Herstellung von „UckerKaas“, einem Hartkäse in allen möglichen Variationen, über die „UckerMilch“ (nicht homogenisierte Konsummilch) bis zum UckerEis (Creme, Sorbet, Soft). Den Löwenanteil des Rohstoffs Milch verkaufte das Unternehmen allerdings an regionale Molkereien.

Von der Erzeugung und der Verarbeitung der Milch brauchte es nur einen kleinen Gedankenschritt zum nächsten Glied der Wertschöpfungskette: Vermarktung. Um den Verkauf seiner Produkte richtig in Schwung zu bringen, entwickelte er gemeinsam mit anderen regionalen Herstellern das Konzept der stationären „Q-Regio Hofläden“ mit mehreren Standorten In Berlin und Umgebung.

In Reih und Glied: UckerKaas im Reifeprozess.

Neben den eigenen wurden dort die Spezialitäten etlicher regionaler Partnerbetriebe vermarktet.

Bei allem Erfolg schwingt gerade in landwirtschaftlichen (Familien-) Betrieben immer die Frage mit, wie es um die Zukunft des Unternehmens bestellt ist. Ist die nächste Generation willens und in der Lage, die Arbeit für sich und die Familie fortzusetzen? Diese Frage musste sich Pieters Wolters nicht stellen: „Es war und ist schon ein großes Glück für mich, dass meine Söhne Andries und Jacob nach Schule und Ausbildung wie selbstverständlich in den Betrieb eingestiegen sind. Beide haben gesagt: Das ist unser Ding“, erzählt er. Das war vor mehr als zwanzig Jahren.

Ebenso selbstverständlich (und geräuschlos) einigten sich die drei Männer bei der Nachfolgeregelung: Der Vater zieht sich Schritt für Schritt aus dem operativen Geschäft zurück, die Söhne führen das Unternehmen zu gleichen Teilen weiter: Andries die Q-Regio Handelsgesellschaft mit Milchkuhhaltung, Jakob die Bauernkäserei Wolters GmbH (als Verarbeitungsbetrieb für Käse, UckerEis, Liköre, Süße Brotaufstriche, Sirup etc.) samt Ackerbau.

Die Q-Regio Hofläden sind inzwischen bis auf einen Musterladen in Prenzlau geschlossen worden, „weil das nicht so funktioniert hat, wie wir das geplant hatten“ (Pieter Wolters); auch die Käseherstellung wird im Laufe des Jahres eingestellt, „da sich hier die handwerkliche Produktion aus Kostengründen nicht mehr lohnt“. Die verbleibende Produktion wird unter dem Q-Regio-Dach angesiedelt – und zwar in dreifacher Hinsicht: unternehmensrechtlich, organisatorisch und im wahrsten Sinne des Wortes. Seit mehreren Jahren gibt es nämlich die Q-Regio-Halle im Zentrum Bandelows, wo künftig die „Gewerke“ Hofladen mit Verkaufsraum, Kommissionierung, Produktion und Lager untergebracht werden.

In Position: Pieter Wolters flankiert von Verkaufsleiterin Nancy Dräger (links) und Enkelin Amy Wolters. Im Hintergrund die Q-Regio-Halle.

Auf diese Weise ist das Unternehmen verschlankt und zukunftsfest gemacht worden. Gleichzeitig wurde damit Platz und Perspektive geschaffen für die nächste Generation: für Amy Wolters, Andries‘ Tochter, die nach dem Ende ihres Master-Studiums (Agrarwirtschaft) in den väterlichen Betrieb einsteigt. Das wird im Juli 2027 sein. „Ich hatte nie einen Zweifel, dass ich eines Tages Teil unseres Betriebs sein werde“, sagt sie. An Ehrgeiz und Fleiß gibt es bei ihr offensichtlich keinen Mangel. Denn schon heute investiert sie in Q-Regio Zeit für bestimmte Aufgaben, sofern es das Studium zulässt.

„Es wird für mich am Tag X also kein Sprung ins kalte Wasser sein, da ich behutsam an meine künftigen Aufgaben herangeführt werde“, betont sie.

Dann aber warten handfeste Aufgaben auf sie, die sie bereits ins Auge gefasst hat. Ihr Plan: Kurzfristig will sie sich um bessere und nachhaltigere Online-Präsenz im Rahmen der neuen Firmenstruktur kümmern und mittel- bis langfristig wird es darum gehen, die Bekanntheit des Unternehmens beispielsweise mittels Social Media zu erhöhen. Als sei das nicht genug, fügt sie an: „Das gilt auch für den neuen Betriebszweig, den wir Anfang 2026 erworben haben: Grünlandflächen, Ackerbau und Mutterkuhhaltung in Bio-Qualität.“

Sieht ganz danach aus, dass Pieter Wolters auch mit seiner Enkeltochter Amy Glück hat!


Q-Regio Handelsgesellschaft mbH & Co. KG
Bandelow 81/90
17337 Uckerland
039740/20274
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www.q-regio.de