8. Norddeutscher Ernährungsgipfel

Die norddeutsche Ernährungswirtschaft steht weiter unter massivem Druck, hat aber trotz dieser angespannten Lage nicht den Blick für die Zukunft verloren. Das war die Quintessenz des jährlichen Branchentreffs in Warnemünde, wo am 22. Juli 2025 rund 180 Expertinnen und Experten zusammengekommen waren, um über Probleme und gemeinsame Lösungswege zu diskutieren. Das Generalthema „Bürokratie abbauen und regionale Lebensmittel-Marken stärken“ stand dabei unter der Überschrift „Aufbruch in eine andere Denkweise“, was als Aufforderung an beide – Wirtschaft und Politik – zu verstehen war, einen aktiven Beitrag zur Zukunftsfestigkeit der Branche und ihrer jeweiligen Region zu leisten.

Organisiert wurde der Branchengipfel wieder von der Marketinggesellschaft der Agrar- und Ernährungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern (AMV) gemeinsam mit dem Agrarmarketingverband pro agro und stand ganz im Zeichen der politischen Klarheit, der strategischen Innovationen und des konstruktiven Dialogs. „Der norddeutsche Ernährungsgipfel zählt mittlerweile zu den wichtigsten überregionalen Branchentreffs und ist auch für die Brandenburger Unternehmen der Ernährungswirtschaft eine gute Gelegenheit zur Vernetzung und zum gegenseitigen Austausch“, konstatierte denn auch die Brandenburger Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt, die selbst vor Ort war.

Schulterschluss (von links): Cathérine Reising (AMV-Geschäftsführerin), Tobias Blömer (AMV-Vorsitzender), Dorothee Berger (pro agro-Vorsitzende), Hanka Mittelstädt (Brandenburger Landwirtschaftsministerin), Jochen Schulte (Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern) und Kai Rückewold (pro agro-Geschäftsführer).

Bereits im Vorfeld des Treffens hatte die AMV alarmierende Ergebnisse einer Branchenumfrage in Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht. Demnach bezeichnen nur noch etwa 20 Prozent der beteiligten Betriebe ihre Lage als gut; über die Hälfte verzeichnet Verschlechterungen gegenüber dem Vorjahr. „Unsere Unternehmen brauchen keine politischen Absichtserklärungen mehr, sondern konkrete, verlässliche Rahmenbedingungen, um weiter wirtschaftlich arbeiten zu können“, kommentiert AMV-Vorsitzender Tobias Blömer die schlechten Werte.

Während der Veranstaltung in Warnemünde nutzte die pro agro-Vorsitzende Dorothee Berger die Gelegenheit, ihrerseits einige Zahlen der jüngsten pro agro-Trendumfrage zu präsentieren. Demzufolge bietet die Lage auch in Brandenburg wenig Grund zur Freude (Details siehe Bericht im vorliegenden Newsletter). Das zeige, “wie bedeutend es ist, dass wir uns hier und heute zusammengefunden haben“. Allerdings betonte sie auch, dass der Ernährungsgipfel „kein Krisen-, sondern ein Zukunftsgipfel ist. Wir sind hier, weil wir überzeugt sind, dass die Ernährungswirtschaft auch für eine Industrienation eine systemrelevante Branche ist und möchten diese Überzeugung durch das Handeln von Politik und Öffentlichkeit deutlicher bestätigt sehen“, mahnte sie.

Plädoyer: Gerrit van Schoonhoven (rechts) während der Podiumsdiskussion.

Damit verband Dorothee Berger allerdings nicht die Vorstellung, dass allein Politik und Gesellschaft dafür zu sorgen haben, dass die Wirtschaft (wieder) floriert. Sie äußerte vielmehr den dringenden Wunsch nach richtigen Weichenstellungen und rechtlichen Rahmenbedingungen, so dass die Wirtschaft (wieder) richtig arbeiten kann – eine dringende Forderung, die sich den ganzen Tag durch Statements und Diskussionen zog.

Das begann mit dem Vortrag von Marcel Winter (Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, BVE), wonach die Politik „den Unternehmen wieder mehr Verantwortung übertragen und auf ihre Problemlösungskompetenz vertrauen muss“. Und setzte sich während der Podiumsdiskussion fort in dem Appell Gerrit van Schoonhovens (Werder Frucht), sozusagen an die eigenen Reihen, dass „die Unternehmen diese Verantwortung auch annehmen müssen – wir haben in Deutschland eine Vollkasko-Mentalität in der Gesellschaft“. Insgesamt braucht es seiner Meinung nach „einen Schulterschluss aller Beteiligten“, wozu er den Lebensmittelhandel ausdrücklich einbezieht, denn: „Der LEH kann unsere Produkte stärken oder uns als regionale Erzeuger verhungern lassen!“.

Familienfoto: Die Brandenburger Delegation in voller Stärke.

Damit Letzteres nicht passiert, sprach Dorothee Berger die Hoffnung aus, „dass für Verbraucher, Handel und Gastronomie die regionale Alternative im Regal, an der Theke und in den Orderlisten immer weniger nur Alternative ist, sondern zur natürlichen Selbstverständlichkeit wird“.