„Die heimische Lebensmittelwirtschaft will ihre Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und gegenüber der Politik deutlich erhöhen. Ziel ist es, auf ihrer Rolle als wichtiger Bestandteil der Wirtschaftslandschaft und als Garant für die Ernährungssicherheit in Brandenburg aufmerksam zu machen. Darauf einigen sich die Teilnehmer des 2. Runden Tisches Ernährungswirtschaft, zu dem das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) am 12. November 2025 eingeladen hatte. 30 Vertreter von Branchenunternehmen, pro agro und dem Landwirtschaftsministerium hatten an dem Austausch in Potsdam teilgenommen.
Die schwierige wirtschaftliche Gesamtsituation in Deutschland ist hinlänglich bekannt. Statt einer ausschließlich kritischen Beurteilung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen auf EU-, Bundes- und Landesebene planen die Unternehmen der heimischen Lebensmittelwirtschaft, ihre Interessen künftig stärker in den direkten Dialog mit Entscheidern der Politik und Verwaltung einzubringen. Beim 2. Runden Tisch in diesem Jahr wurden die ersten Ergebnisse von zwei Arbeitsgruppen vorgestellt und im Gremium diskutiert.
Die Arbeitsgruppen setzten sich aus je fünf Unternehmern, dem pro agro-Verbandschef Kai Rückewold (Mitte) und Experten des Ministeriums zusammen. Sie hatten sich im Vorfeld des Runden Tisches zu Fragen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Zukunftsfähigkeit und Bürokratieabbau verständigt. Mit dieser Vorgehensweiseweise soll die Umsetzung von Forderungen aus der Unternehmerschaft konkretisiert werden.

„Gerade in Krisenzeiten müssen wir als Unternehmen mehr Gesicht zeigen und an Profil gewinnen. Unsere Leistungen für Ernährungssicherheit und Gesellschaft sowie die Bedeutung unserer Unternehmen in Brandenburg müssen der Politik noch deutlicher gemacht werden“, beschrieb Willi Stollenwerk, geschäftsführender Gesellschafter von Spreewald Feldmann die Motivation der Arbeitsgruppe.
In diesem Sinne empfahl die Arbeitsgruppe, die wirtschaftlichen Leistungsdaten der einzelnen Branchenunternehmen zu erheben und transparent zu kommunizieren. Dazu sollen detaillierte Investitionsbedarfe der Branche in Bereichen wie Automatisierung und Digitalisierung deutlich werden. Das könnte helfen, Förderprogramme mit den Unternehmen bedarfsgerechter abzustimmen. Dazu werden – koordiniert vom Verband pro agro e.V. – Fragebögen durch die Unternehmen bearbeitet; die Angaben zu Wirtschaftskraft und zu geplanten Zukunftsinvestitionen sollen anschließend veröffentlicht werden.
Als Unternehmerinitiative ist man bereit, auf Bundesebene und in Brüssel mit dokumentierbaren Fakten und Fallbeispielen vorzusprechen und gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium dafür einzutreten. Ministerin Hanka Mittelstädt motivierte die Unternehmen erneut, trotz angespannter wirtschaftlicher Lage diesen Weg zu verfolgen: „In meiner Arbeit kann ich sehr gut dabei unterstützen, die richtigen Gesprächspartner zusammenzuführen. Hier wird allerdings erwartet, Defizite und Lösungsansätze sehr konkret anschaulich zu machen. Das gilt auch für die Frage der bestehenden KMU-Grenzen bei Investitionsförderprogrammen.“

Die Bedeutung eines konsequenten und schnellen Bürokratieabbaus wurde erneut als essenziell für die Sicherung der Unternehmen betont. Bürokratische Hemmnisse müssten in vielen Bereichen radikal angefasst werden, forderten mehrere Wirtschaftsvertreter.
Dass Veränderungen in den komplexen Zusammenhängen zwischen EU-, Bundes-, und Landeszuständigkeiten Geduld brauchen, wurde an Beispielen deutlich, die die AG Bürokratieabbau einbrachte. Hier hat sich Nico Wolff, Geschäftsführer Spreenhagener Vermehrungsbetrieb für Legehennen GmbH (Landkost-Ei), bereit erklärt, die Gruppe der Unternehmensvertreter zusammenzuführen. „Uns geht es nicht um die Abschaffung aller Gebote und Regeln. In der Zusammenarbeit geht es um den konstruktiven, zielorientierten Versuch, Überflüssiges von Notwendigem zu trennen“, stellte er klar.
Alexander Haase, persönlicher Referent des neuen Staatssekretärs Dr. Nickisch, erläuterte die gemeinsam vereinbarte Vorgehensweise mit der Arbeitsgruppe und dem zuständigen Referatsleiter Dr. Detmar Leitow. Alexander Haase koordiniert den Prozess möglicher Bürokratieabbau-Maßnahmen auf den jeweiligen Regelungsebenen von Landesgesetzgebung bis zu Bundesratsverfahren. In seinem Statement betonte er auch die Notwendigkeit zur Priorisierung der Forderungen, die er mit der Arbeitsgruppe vornehmen will.
Der Runde Tisch Ernährungswirtschaft ist das Ergebnis einer gemeinsamen Initiative der Unternehmen zu Beginn der Ukrainekrise mit dem Ziel, den Belangen dieses Wirtschaftszweiges eine einheitliche Stimme im politischen Raum zu geben. Das Landwirtschaftsministerium hat das Format aufgenommen, um gemeinsam Lösungen von Wirtschaft und Politik für die Zukunftssicherung der Ernährungswirtschaft in Brandenburg zu finden. Die Bedeutung des Dialogs ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Der Termin für den ersten Runden Tisch 2026 wird für Mai 2026 geplant.
