pro agro-Zukunftsabend: Regionalität als gemeinsames Projekt

Gruppenbild mit Damen (v.l.n.r.): Kai Rückewold (Geschäftsführer pro agro), Frank Roick, Stefanie Awater-Esper, Jan Schleicher, Christian Heinrich-Jaschinski, Axel Vogel, Frank Mattheus, Hanka Mittelstädt (Vorstandsvorsitzende pro agro), Ludolf von Maltzan, Sebastian Kühn. (Foto: Tim Leidecker)

„Zeitenwende Nahrungsmittelproduktion – wohin geht die Reise für unsere Land- und Ernährungswirtschaft in der Hauptstadtregion?“. Das war das Thema des pro agro-Zukunftsabends, zu dem sich am 5. Mai 2022 rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln sowie aus Politik und Medien auf Einladung des Marketingverbandes in der Brandenburger Landesvertretung in Berlin eingefunden hatten. Im Vordergrund der Netzwerk-Veranstaltung stand die Frage, wie das enorme Potential einer regionalen Versorgung der Hauptstadtregion mit Lebensmitteln weiterentwickelt werden kann. Wir hören rein.

Letztlich ging es beim „Zukunftsabend“ darum, Antworten auf folgende Kernfrage zu finden: Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, die Hauptstadtregion mit genügend regionalen Lebensmitteln aus Brandenburg zu versorgen? Während des Podiumsgesprächs (moderiert von Stefanie Awater-Esper, top agrar-Hauptstadtkorrespondentin), waren sich die Diskutanten aus den Reihen landwirtschaftlicher Erzeuger, Verarbeiter, Vermarkter und der Politik darüber einig, dass regionale Produkte in den kommenden Jahrzehnten eine maßgebliche und nachhaltige Rolle spielen müssen.

Das war eine klare Botschaft. Doch der Teufel liegt, wie immer, im Detail. Am Anfang steht nämlich die Frage, wie man das Attribut „regional“ überhaupt definieren soll. „Der Regionalitätsbegriff ist außerordentlich vielschichtig“, räumte Landwirtschaftsminister Axel Vogel denn auch ein, fügte aber gleich hinzu: „Wir müssen da streng vorgehen und hohe Standards setzen. Das heißt 90 Prozent der Rohstoffe müssen aus Brandenburg stammen, und sie müssen bestimmte Qualitätsmerkmale aufweisen.“ Der Minister bezog sich mit dieser Definition auf die Vorgaben des Brandenburger Qualitätszeichens (siehe hier).

Die beiden Qualitätszeichen könnten nur dann richtig Wirkung erzielen, fuhr er fort, wenn Berlin seine Ernährungsstrategie umsetzt und die Qualitätskriterien (konventionell/Bio) in den Ausschreibungen als auditiertes Siegel verbindlich vorgibt. Ziel sei es, mit dem ersten Schritt in der Gemeinschaftsverpflegung und anschließend im Lebensmittelhandel relevante Marktanteile zu erobern. „Und wenn Direktvermarkter die Siegel auch nutzen wollen, dann soll es uns recht sein“, fügte er hinzu.

Argumentativ unterstützt wurde Vogel von Markus Kamrad, Staatssekretär für Verbraucherschutz beim Berliner Senat. Er bezeichnete die beiden Brandenburger Siegel  als „sehr guten Einstieg“ für einen Nachweis regionaler Qualitätsmerkmale. Das sei auch wichtig, um diese Merkmale im Vergabeprozess, zum Beispiel bei der Gemeinschaftsverpflegung, „rechtsfest zu verankern“. Und: „Das Ganze baut natürlich auf Lieferfähigkeit auf. Eine Brandenburger Kartoffel in Bio-Qualität und geschält ist gar nicht so leicht zu kriegen“, schränkte er ein.

Wirbt für hohe Standards beim Brandenburger Qualitätszeichen: Minister Axel Vogel vom MLUK Brandenburg. (Foto: Tim Leidecker)

Da ließ die Meinung des Praktikers nicht lange auf sich warten. Die EU-notifizierten Qualitätssiegel „finden wir Landwirte gut“, konstatierte Frank Mattheus, Chef der Agrargenossenschaft Neuzelle, einem der größten landwirtschaftlichen Betriebe Brandenburgs. Aber: „Wo liegt der Mehrwert für den Landwirt, der ja zumindest kostendeckend arbeiten muss?“, fragte er. „Wenn das nicht funktioniert, dann brauchen wir die Siegel nicht.“

Ebenso kategorisch, aber aus anderem Blickwinkel, machte  Frank Wetterich von der Gläsernen Molkerei deutlich, warum er das Siegel nicht nutzen kann. Sein Betrieb verarbeite etwa zwei Drittel der in Brandenburg erzeugten Bio-Milch. Das sei gerade mal die Hälfte seines gesamten Kuhmilch-Bedarfs. „Die andere Hälfte kommt aus den benachbarten Bundesländern, da die Milchmengen aus Brandenburg nicht reichen“, erklärte er. Sein Vorschlag: Man sollte mit den benachbarten Bundesländern enger zusammenarbeiten.

Damit war ein grundsätzliches Problem angesprochen, das Sebastian Kühn (Eberswalder Wurstwaren) folgendermaßen auf den Punkt brachte: „Wir haben in Brandenburg nicht mehr ausreichend Verarbeitungskapazitäten, um die Region mit Lebensmitteln zu versorgen.“ Politik, Verbände und Unternehmen müssten sich „an die Hand nehmen“ und gemeinsam nach Lösungen suchen. Ludolf von Maltzan (Ökodof Brodowin) hat das bereits in Teilen umgesetzt: Angesichts der hohen Energie- und Transportkosten hat er sich mit anderen Betrieben zusammengetan, um die LKWs gemeinsam zu befüllen und auf diese Weise Transportkosten zu sparen.

Und wie sieht das die Vermarkterseite? Die politischen Forderungen nach mehr Einsatz von regionalen Produkten sind etwa für die Cateringbranche eine große Herausforderung, „weil die Preise für Kitas und Schulen mehr oder weniger von den Trägern festgesetzt werden“, so Franck Roick, Mitinhaber der Widynski & Roick GmbH. Ferner reiche die Produktpalette mit entsprechender Verarbeitungstiefe (Convenience) heute oft noch nicht, um komplette Menüs herzustellen.

Netzwerker am Werk: Gedankenaustausch in der Brandenburger Landesvertretung in Berlin. (Foto: Tim Leidecker)

Einigkeit herrscht in der Branche, dass ihr der Kampf mit den höheren Kosten und Preisen zu schaffen macht. „Uns fliegen momentan die Einkaufspreise um die Ohren“, sagte Jan Schleicher, Leiter Category Management der REWE Ost. Wegen der steigenden Inflation könne man auch nicht wissen, wie die Kunden in den nächsten Monaten reagieren. Allgemein seien allerdings schon heute Umsatzverschiebungen vom Vollsortimenter zum Discount festzustellen. Doch trotz dieser Verwerfungen bleibe die REWE konsequent bei ihrem Lokalitätsprinzip. Und: „Wir haben nach wie vor ein Sortiment mit gut aufgestellten regionalen Produkten.“

Wegen der landesspezifischen Limitierungen und der externen Einflüsse wie Lieferengpässe, steigende Rohkosten etc. ist es aus Sicht des Landkreises Elbe-Elster angebracht, „Netzwerke aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel zu bilden“, so Landrat Christian Heinrich-Jaschinski. Ziel sei der zügige Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten mit dem Ergebnis, marktfähige Produkte zu entwickeln und zu vermarkten.

Das wiederum provozierte den Ruf der betroffenen Marktplayer nach entsprechender Unterstützung durch den Staat, zum Beispiel bei den Preisverhandlungen. „Für Preisverhandlungen ist nicht der Staat zuständig, das ist Sache der Vertragspartner“, entgegnete Vogel und machte klar, dass sich der Staat nicht unmittelbar in Preisverhandlungen einmischen kann. „Er setzt lediglich die Rahmenbedingungen dafür, dass die Branche bessere Preise erzielt.“

Was die künftige Entwicklung der Branche angeht, sieht Kamrad in weniger als 30 Jahren Großhandelsstrukutren in Berlin, die auf die Produkte in der Region ausgerichtet sind. Wobei er beim Begriff „Region“ auch Sachsen-Anhalt oder Sachsen einbezieht. Seiner Meinung nach muss es jedoch „ein klares Junktim“ zwischen Brandenburg als Lieferant regionaler Produkte und Berlin als großstädtischem Absatzmarkt geben. „Da werden wir viel enger zusammenwachsen“, so seine Prognose.

Interview mit VDSKC-Verbandschef Ralf Blauert

Setzt sich für einheitliche Standards bei Schul- und Kitaverpflegung ein: VDSKC-Verbandsvorsitzender Ralf Blauert

Der 2012 gegründete Verband deutscher Schul- und Kitacaterer e.V. (VDSKC) mit Sitz in Berlin vereint Cateringunternehmen und Akteure der Gemeinschaftsverpflegung aus ganz Deutschland. Er vertritt die Interessen der knapp 30 Mitglieder aus fast allen Bundesländern gegenüber der Politik, versteht sich als Netzwerker innerhalb der Branche und setzt sich für bundesweit einheitliche Standards des Wirtschaftens ein. Wir sprachen mit dem 1. Vorsitzenden Ralf Blauert (Foto), selbst ein erfolgreicher Caterer, der in Potsdam täglich 15 Schulen und 30 Kitas mit mehr als 4.000 Essen versorgt.

Herr Blauert, was treibt Sie momentan am meisten um? Unsere wichtigste Forderung ist derzeit  die Beibehaltung des Mehrwertsteuersatzes von 7 Prozent. Es bahnt sich nämlich an, dass die Politik den Mehrwertsteuersatz wieder auf 19 Prozent anheben will.

 Aber das war doch von vornherein bekannt. Das stimmt. Man hat uns und die gesamte Gastronomie in Corona-Zeiten runtergestuft auf 7 Prozent (außer Getränke), und zwar befristet bis zum Jahresende 2022. Doch wir fragen uns grundsätzlich: Warum soll künftig wieder Hundefutter nur mit 7 Prozent und Kinderverpflegung mit 19 Prozent besteuert werden? Das kann ja wohl nicht sein.

Sie wollen einheitliche Standards für Ihre Branche schaffen. Was meinen Sie damit? Die Bundesländer behandeln Schulessen sehr unterschiedlich, und wir wollen bundesweit gleiche Bedingungen für alle Caterer haben. Konkret: Die Länder sollen die Kosten für Schulessen übernehmen oder wenigstens die Kostenbeteiligung so gestalten, dass sie von den Eltern auch getragen werden kann.

Was würden Sie favorisieren? Eigentlich wollen wir dem Beispiel der skandinavischen Länder folgen, die das Schulessen als integralen Bestandteil von Erziehung und Bildung betrachten und deshalb sagen, dass die Gemeinschaftsverpflegung von den Bildungseinrichtungen beauftragt und getragen werden muss.

Wie schätzen Sie das hierzulande ein? Bei uns hat sich das tradierte Gesellschaftsbild stark geändert. Es gibt immer mehr Doppelverdiener in den Haushalten, was ja politisch auch gewollt ist. Dann müssen aber die staatlichen Institutionen dafür sorgen, dass die Kinder – sei es in Kitas oder in Schulen – vernünftig ernährt werden.

Und wer soll die Kosten tragen? Tatsache ist, dass die Bundespolitik beschlossen hat, ab 2026 den Eltern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung der Grundschulkinder zu gewähren. Da gehört selbstverständlich eine ordentliche Verpflegung der Kinder dazu. Und wer so etwas beschließt, muss auch die Kosten dafür tragen.

In Berlin ist man da schon weiter, oder? Stimmt. Kein Mensch hätte erwartet, dass ausgerechnet in Berlin („arm, aber sexy“) die kostenlose Verpflegung in Grundschulen und Kitas eingeführt wird, und zwar wenigstens bis zur 6. Klasse. Das ist ein Riesenschritt und modellhaft für die anderen Bundesländer – ein echtes Vorzeigeprojekt, das funktioniert.

Reibungslos? Natürlich gibt es noch den einen oder anderen kleinen Stolperstein, aber es zeigt: Wenn die Politiker wollen, dann geht‘s auch. Und gerade durch die klima- und ernährungsbewusste Generation kommt in dieses Thema neue Bewegung rein; wir hoffen, dass wir davon ein Stück weit profitieren können.

Schulverpflegung ist Ländersache. Gibt es da Änderungsbedarf? Unserer Meinung nach sollte der Bund dafür verantwortlich sein. Der hat sich ja bei der Medien- und Internetausstattung der Schulen auch engagiert und die Kosten übernommen. Es wäre also durchaus machbar, dass sich der Bund einschaltet. Man muss es nur wollen.

Ihr Verband hat 2019 das Projekt „Wo kommt dein Essen her?“ gestartet. Was ist das Ziel? Wir wollen bewusste und gesunde Ernährung in den Schulen zum Thema machen. Konkretes Ziel ist, den Anteil regionaler Bio-Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung zu erhöhen. Das Projekt wird vom Berliner Senat gefördert, und wir sind der Projektträger.

Und wie beurteilen Sie die Einführung der Brandenburger Qualitätssiegel mit Blick auf die Gemeinschaftsverpflegung? An sich halten wir das für eine gute Idee, wenngleich diese Maßnahme etwas überraschend kam. Und es ist alles andere als sicher, dass die landwirtschaftlichen Erzeuger die notwendigen Mengen an regionalen und Bio-Produkten überhaupt zur Verfügung stellen können. Nehmen wir nur unsere Branche: Wir stellen allein in Berlin täglich 175.000 Grundschulessen her. Hinzu kommen die weiterführenden Schulen, Kitas, öffentlichen Mensen, Kliniken, Betriebskantinen und viele andere Einrichtungen mehr. Da stellt sich ernsthaft die Frage, wie das Mengenproblem gelöst werden soll.

Wie könnten Sie sich die Einführung der Zeichen in die Gemeinschaftsverpflegung vorstellen? Es wird sicherlich ein intensiver Abstimmungsprozess zwischen Politik, Produzenten, Logistikern, Caterern und Abnehmern stattfinden müssen. Darüber hinaus ist es ja so, dass wir Caterer schon seit Jahren mit verschiedenen Siegeln arbeiten. Wir kennen uns damit aus, wissen also, was auf uns zukommt, und halten diese Initiative für machbar.

Verband Deutscher Schul- und Kitacaterer e.V. (VDSKC)
Lorenzweg 5
12099 Berlin
0152/07434966
info@vdskc.de
www.vdskc.de

Gut und Bösel: Landwirtschaft im Einklang mit der Natur

Benedikt Bösel, „LandVisionär“ einer regenerativen Landwirtschaft (Foto: Emanuel Finckenstein).

Bei Gut und Bösel in Briesen (Mark) ist alles auf Modus „Multi“ geschaltet. Das beginnt mit Inhaber und Geschäftsführer Benedikt Bösel, der zwei Studien absolviert hat (Business Finance, Agrarökonomik) und vor Übernahme des elterlichen Bio-Betriebs (2016) zehn Jahre als Berater in der Finanzbranche gearbeitet hat; das setzt sich fort in den vielseitigen Betriebsaktivitäten sowie in der Umsetzung „multifunktionaler Landnutzungskonzepte“; und findet sich schließlich wieder im Miteinander von Forschung und landwirtschaftlicher Praxis. Ein Blick hinter die Kulissen.

Unsere Gesprächspartnerin Lea Ligat verkörpert, natürlich, ebenfalls das Thema „Multifunktionalität“, da sie ein ganzes Bündel von Managementaufgaben zu erledigen hat: Kommunikation, Marketing, Vertrieb und Veranstaltungen. Zum Unternehmen selbst erzählt sie, dass es aus mehreren Gesellschaften besteht, die unter der Dachmarke „Gut und Bösel“ vereint werden sollen. Das betrifft den Forstbetrieb mit 2.000 Hektar und die LandVision Alt Madlitz GmbH mit 1.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche, die von Benedikt Bösel gegründet worden ist.

Unter dem Dach der Neugründung befinden sich die mobile Hühnerhaltung mit 300 Legehennen unterschiedlicher Rassen, die für „bunte“ Eier sorgen. Dazu gehört ferner die Mutterkuhherde mit 100 Tieren plus derzeit 25 Kälbern; dabei handelt sich um eine gemischte Herde aus Angus- und französischen Salers-Rindern, die nach den Grundsätzen eines „ganzheitlichen Weidemanagements“ gehalten werden. Die Kühe werden dabei eng zusammengestellt und jeden Tag weiterbewegt, was die Bodenqualität hebt und das Graswachstum fördert.

Drittes Standbein der „LandVision“ sind die Agroforst-Aktivitäten. „Beim Konzept Agroforst wird die Fläche mit Baumstreifen kombiniert, so dass zwischen den Reihen nach wie vor Ackerbau betrieben werden kann“, erklärt Lea Ligat. Die Baumstreifen können aus Obst-, Nuss-, oder Edelholzstreifen bestehen. „Das ist gut gegen Winderosion und gut für Biodiversität und Böden. Und zu guter Letzt natürlich auch für die Bauern selbst, da auf den Streifen Mehrfach-Ernten pro Jahr möglich sind“, fügt sie hinzu.

Lea Ligat, das Multifunktions-Talent / Agroforst aus der Vogelperspektive (Fotos: Emanuel Finckenstein).

Bewirtschaftet wird der Betrieb mit 25 Beschäftigten zuzüglich acht bis zehn Praktikanten. Die Erzeugnisse – insbesondere Eier, Rindfleisch und Wildfleisch (aus eigener Jagd) – wird derzeit über die „Plattform 2020 für gute Lebensmittel“ vermarktet, und zwar hauptsächlich in der Gastronomie. Dieses in der Berliner Markthalle Neun angesiedelte, engmaschige Vermarktungs-Netzwerk (siehe pro agro-Newsletter 10/2021) betreibt dort nebenbei auch einen Verkaufsstand („Beet und Baum“), wo das eine oder andere Produkt direkt den Endverbraucher erreicht.

Im Spätsommer dieses Jahres wird zusätzlich ein Online-Shop gestartet, wo Endverbraucher regelmäßig einkaufen können: frisches und verarbeitetes Fleisch (Wurst), Obst und Gemüse (Saisonware) etc. Und wie sieht’s mit einem eigenen Hofladen vor Ort aus? „Das zählt gegenwärtig nicht zu unseren Prioritäten, aber wir behalten das im Auge“, heißt es. Was aber im kommenden Sommer konkret wird, ist ein Pop-up-Restaurant. Von Mitte Juli bis Mitte August können an einer langen Tafel auf den Feldern des Betriebs die von Profiköchen zubereiteten Produkte verkostet werden (Vorbestellung empfehlenswert).

Als wären das neben der landwirtschaftlichen Arbeit und der Vermarktung der Erzeugnisse nicht genug der Aktivitäten, hat Benedikt Bösel vor gut einem Jahr eine Stiftung gegründet. Deren Zweck ist die Erforschung und Entwicklung multifunktionaler Methoden der Landwirtschaft. „Die Stiftung nutzt praktisch die vorhandenen Flächen als Reallabor“, erläutert Lea Ligat. In enger Kooperation mit Universitäten und Forschungsinstituten will man herausfinden, welchen Einfluss die verschiedenen Ackerbau-Methoden auf die Biodiversität und das gesamte Ökosystem haben.

Konkret geht es dabei um innovative Landnutzungskonzepte, die eine zukunftsfähige, klimaresiliente Landwirtschaft in unserer Region ermöglichen. „Multifunktionalität“ heißt in diesem Zusammenhang, dass auf den Flächen die synergetischen Beziehungen zwischen Pflanze, Baum und Tier genutzt werden und dadurch ein großes Spektrum der Anpassung an standortbezogene Bedingungen erreicht wird. Basis und Ziel dieser in der Praxis angewandten Ansätze ist eine regenerative Landwirtschaft – nicht als Selbstzweck, sondern um „den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen“, so die Unternehmensphilosophie.

LandVision Alt Madlitz GmbH
Schlossstraße 32
15518 Briesen (Mark) OT Alt Madlitz
033607/293
info@gutundboesel.org
www.gutundboesel.de

Alles vom Land: Regionalität in Reinkultur

Sie kennt ihre Pappenheimer: Vivien Chrobok

Sie sei „das Mädchen von nebenan“, sagt sie von sich selbst. Das signalisiert emotionale Nähe zur brandenburgischen Heimat und tiefe Verwurzelung mit der Region. In der Tat lebt Vivien Chrobok diese Haltung nicht nur als Privatperson, sondern auch als junge Unternehmerin, die zusammen mit ihrem Kompagnon Michel Stumpe im Sommer 2021 den Direktvermarkter „Alles vom Land“ an den Start gebracht hat. Lesen Sie weiter, wie und warum der regionale Lieferdienst so erfolgreich ist.

Wenn Vivien Chrobok sagt, es sei ihr „ein ganz persönliches Bedürfnis“, regionale Erzeuger zu unterstützen und die Region zu stärken, dann ist das nicht nur so dahingesagt, sondern klingt absolut glaubwürdig: In Ludwigsfelde geboren und in Thyrow aufgewachsen (wo sie heute noch lebt) erfährt sie hautnah, was die landwirtschaftlichen Betriebe alles anbauen. Und sie sieht auch, dass die Bauern – zumal während der Saison – wenig bis gar keine Zeit haben, über die Wochenmärkte zu tingeln und ihre Erzeugnisse zu verkaufen.

Umgekehrt hat sie festgestellt, dass die an heimischen Produkten interessierten Konsumenten sich kaum die Zeit nehmen, von Hofladen zu Hofladen zu eilen und die gewünschten Lebensmittel zu kaufen. Beides hat sie auf den Gedanken gebracht, eine Mittlerfunktion zu übernehmen, sprich: die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Region „einzusammeln“ und zu vermarkten. War die Idee erst mal geboren, ließ die Unternehmensgründung nicht lange auf sich warten: AllesVom.Land mit Vivien Chobrok als Geschäftsführerin ging an den Start.

Der Firmenname ist Programm: Er steht für Nachhaltigkeit und konsequente Regionalität. „Wir vermarkten ausschließlich Produkte aus unserer Region“, erläutert die Inhaberin, „wobei wir mit einem Radius von 50 km begonnen haben“. Dieser relativ enge Umkreis deckt das Lieferanten- und das Absatzgebiet gleichermaßen ab. Bedingt durch das rasante Unternehmenswachstum dürfte es dabei nicht bleiben, aber über 150 km hinaus wird’s nicht gehen. Anders ausgedrückt: Die Wertschöpfung vom Erzeuger bzw. Verarbeiter über den Vermarkter bis zum Konsumenten kommt ausschließlich Brandenburg zugute.

Das Lebensgefühl „Nähe zur Heimat“ bringt Vivien Chrobok auch in die Partnerschaft mit Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk ein. Das heißt, sie kennt ihre Pappenheimer, da sie jeden Lieferanten besucht und sich persönlich ein Bild über deren Arbeitsweise und Erzeugnisse macht. Ein positiver Nebeneffekt: Bei diesen Gelegenheiten sammelt sie die Geschichten, die hinter den Produkten stehen und die sie – Mantra des modernen Marketings – den Kunden erzählen kann.

Hölzerne Transportbox: Verpackungsfrei, wenn’s irgendwie geht.

Grundsätzlich macht sie bei der Lieferanten-Akquisition keinen Unterschied zwischen konventionellen und ökologischen Betrieben. Was zählt, sind vielmehr Regionalität „in Reinkultur“ und Tierwohl: artgerechte Aufzucht mit entsprechender Fütterung, Weidehaltung und Schlachtung. Überdies legt sie Wert auf faire Zusammenarbeit mit den Lieferanten. „Bei uns gibt es kein Preisgeschacher oder Preisdumping“, betont sie.

Und so funktioniert das Geschäft: 60 Prozent der Lieferanten bringen die Ware ins firmeneigene Logistikzentrum (in Mittenwalde), die dort zwischengelagert und für den Vertrieb kommissioniert wird. Von der Kundenbestellung bis zur Auslieferung vergehen nicht mehr als drei Tage. Bei den verbleibenden 40 Prozent Lieferanten – das sind meistens kleinere Betriebe – holt das Unternehmen die Produkte einen Tag vor Auslieferung selber ab. Nach Kommissionierung wird die bestellte Ware mit eigenen Fahrzeugen direkt an die Haustür der Kunden gebracht.

Die Produkte werden verpackungsfrei in nachhaltigen Holzboxen transportiert, die nach Erstlieferung bei den Kundenhaushalten bleiben und dort gemäß der neuen Bestellung wieder befüllt werden. „Das funktioniert wie ein Briefkasten für Lebensmittel“, sagt Vivien Chrobok. „Die Kunden stellen bei Abwesenheit die Box so zugänglich für uns auf, dass wir praktisch eine Zustellquote von 100 Prozent erreichen“, fügt sie hinzu.

Der Vertriebsschwerpunkt liegt derzeit in Brandenburg, weil die Logistik im ländlichen Raum relativ einfach zu handhaben ist. Demgegenüber ist Berlin als Absatzgebiet praktisch noch ein weißer Fleck, wenn man von den am Rande gelegenen Stadtteilen Zehlendorf und Mariendorf absieht. „Die letzte Meile“ der Auslieferung ist dort sehr schwierig und kostenintensiv. Lastenräder für die verkehrsreiche Kurzstrecke könnten da hilfreich sein. Kurz: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Was für das Vertriebsgebiet gilt, nämlich die Erweiterung, gilt auch für das Produktangebot: Da ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Mit anderen Worten: „Wir sind bereit, weitere Erzeuger und Verarbeiter in den Kreis unserer Lieferanten aufzunehmen. Da wir auch mit sehr kleinen Betrieben zusammenarbeiten, die nicht über die von uns benötigten Mengen verfügen, müssen wir ein gewisses Back-up durch andere Lieferanten schaffen, um die Lücken zu schließen. Wir sind eben ein schnell wachsendes Unternehmen“, heißt es.

Alles vom Land
Grasweg 22
14532 Kleinmachnow
0176/30502085
vivien.chrobok@allesvom.land
www.allesvom.land

Presseeinladung – Vorabtermin zur Eröffnung „Hall of Meat“ in Wildau

Gerne möchten wir Sie freundlich auf einen Vorabtermin zur Eröffnung der „Hall of Meat“ in Wildau aufmerksam machen und Sie im Namen des Inhabers, Gründers und Ideenschmieds Olaf Mahr herzlich zur Teilnahme einladen.

Pressetermin:
Mittwoch, 11.05.2022
14 Uhr

Hall of Meat
Jahnstr. 26-28
15745 Wildau

Die „Hall of Meat“ in Wildau eröffnet am 12.05.22 ihren Verkauf mit vielen verschiedenen regionalen und nachhaltigen Produkten.

Der Ansatz vom Hall of Meat Team ist lokale Produkte, wie zum Beispiel das mehrfach prämierte Fleisch von Märkischem Kartoffelschwein und Märkisch Beef, partnerschaftlich und nachhaltig zu produzieren und Partnern eine faire Bezahlung zu bieten. Hierdurch werden die ländlichen Strukturen in der direkten Nachbarschaft gestärkt und diese Premium-Produkte den Kunden zugänglich gemacht.

„Aus Sicht des Verbandes pro agro ist das Konzept der „Hall of Meat“ ein mustergültiges, viel versprechendes und hoffnungsfroh stimmendes Beispiel für die Arbeit in den viel beschworenen und heute umso dringender benötigten regionalen Wertschöpfungsketten. Von der Aufzucht über die Verarbeitung bis ins Ladengeschäft ist Regionalität, handwerkliches Können und Transparenz oberstes Gebot und gleichzeitig Versprechen an und für die Kundschaft. Wir wünschen Olaf Mahr und seinem Team den größtmöglichen Erfolg und möchten dringend zur Nachahmung anregen.“ so Kai Rückewold, Geschäftsführer des Verbandes pro agro

Der Verband pro agro engagiert sich seit 30 Jahren für die Vernetzung und Vermarktung von Brandenburger Angeboten und Dienstleistungen aus den Bereichen Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie Land- und Naturtourismus.

meat-bringer.de
proagro.de

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Landfleischerei Ranzig: Regionalität auf ganzer Linie

In allen Filialen der Landfleischerei Ranzig findet die Kundschaft ein vielfältiges Angebot vor.

In allen Filialen der Landfleischerei Ranzig findet die Kundschaft ein vielfältiges Angebot vor.

Die Landfleischerei Ranzig ist ein Betrieb, der es buchstäblich „in sich“ hat: Von der landwirtschaftlichen Erzeugung (Futter und Aufzucht der Tiere) über die Produktion (Schlachtung und Verarbeitung) bis zum Verkauf (Direktvermarktung von Frischfleisch und diversen Wurstsorten) liegt alles in einer Hand. Für Frank Groß, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Ranzig, zu der die Landfleischerei gehört, ist das gerade in heutigen Zeiten Segen und Fluch zugleich. Warum das so ist, lesen Sie im folgenden Bericht.

Frank Groß (Foto unten) lebt seinen Beruf als Landwirt „nah an der Scholle“, und zwar konsequent, soweit das möglich ist. Darunter versteht er nicht nur den vollständig geschlossenen Wirtschaftskreislauf, der zu seinem Selbstverständnis gehört, sondern auch Nachhaltigkeit und Tierwohl. Herkunft und Glaubwürdigkeit sind für ihn keine hohlen Phrasen oder leeres Marketing-Geschwätz, sondern ein starkes Qualitätsargument: Gut versorgte Tiere liefern gutes Fleisch.

In der Praxis heißt das: Auf 1.800 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche werden Getreide, Mais & Co. angebaut, aus denen die Futter-Silage für die Rinder gespeist wird, und zwar für die 650 Milchkühe Im Stall sowie die 250 Mutterkühe (plus Nachzucht und aufgemästete Kälber), die sich übrigens das ganze Jahr über auf der Weide befinden. Dort werden auch die Kälber geboren, die ein halbes Jahr bei der Mutter bleiben, anschließend in den Stall kommen und dort bis zur Schlachtung weiter gemästet werden.

Auch den Schweinen (130 Sauen) gönnt man eine tiergerechte Behandlung. Sie wachsen in begrünten und großzügigen Ställen auf und werden einen Tag vor der Schlachtung ins eigene Schlachthaus gebracht, wo sie sich in einem separaten Stall beruhigen können. Durch den damit verbundenen geringeren Adrenalin-Ausstoß erhöht sich die Fleischqualität. „Wir produzieren nur so viel Schweine, wie wir schlachten, verarbeiten und vermarkten können“, sagt Frank Groß. Das summiert sich auf knapp 3.500 Schweine pro Jahr.

Auch im klassischen Lebensmittelhandel ist man präsent, wenn auch nur mit Wurstwaren und quasi „rund um den Kirchturm“, also im Umkreis von etwa 30 bis 40 km. Derzeit werden vor allem Edeka, Rewe, Marktkauf und Kaufland beliefert. Zunehmend befindet sich auch Berlin im Blickpunkt, wo die Distribution teils selbst, teils in Kooperation mit Werder Frucht gestemmt wird. Arrondiert wird der Absatz durch den Online-Shop sowie den florierenden Party-Service.

Dieses ausgeklügelte Sortiments- und Verkaufskonzept sorgt In normalen Zeiten dafür, dass das Geschäft brummt. Aber was ist heute, in Zeiten der Pandemie und der Ukraine-Krise, schon „normal“? Das an sich erfolgreiche Prinzip der „regionalen Wertschöpfungskette“, wonach die Landfleischerei arbeitet, ist momentan kein Selbstläufer mehr. „Die Verbraucher kaufen angesichts der auf ganzer Linie steigenden Preise weniger regionale Produkte ein“, so die Erfahrung von Frank Groß.

Im Schnitt seien deshalb die Umsätze seines Betriebes um gut fünf Prozent zurückgegangen, berichtet er weiter. Das wiederum bedeutet, dass ursprünglich geplante Investitionen wie Filial-Umbau oder -Neubau zurzeit zurückgestellt werden. „Wir gehen heute nicht so ins Risiko wie normalerweise“, resümiert er.

Landfleischerei Ranzig
Ranziger Hauptstraße 9
15845 Tauche OT Ranzig
033675/5236
info@landfleischerei-ranzig.de
www.landfleischerei-ranzig.de

Chefs Culinar Nord-Ost: Neuer Standort für mehr Regionalität

Ware fertig zum Transport...

Ware fertig zum Transport…

Mit acht Niederlassungen und 23 Stützpunkten sieht sich der Lebensmittel-Großhändler für Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung deutschlandweit groß aufgestellt, aber trotzdem so regional, dass er immer in Kundennähe ist. So heißt es in der Selbstbeschreibung des Unternehmens. Was das für den Food Service-Lieferanten in der Region Berlin-Brandenburg im praktischen Zusammenspiel mit seinen Kunden bedeutet, haben wir im Gespräch erkundet.

„Die Regionalität und Lieferanten vor Ort sind uns seit jeher wichtig“, sagt René Koop, Einkaufsleiter von Chefs Culinar Berlin-Brandenburg. Bekräftigt wird dies von Marketingleiterin Julia Neumann mit dem Hinweis darauf, dass die „individuellen Kundenbedürfnisse nie in Gänze ausschließlich mit unserem nationalen Angebot abdeckbar sind, da Regionalität und Nachhaltigkeit immer wichtiger werden“. Das ist auch der Grund, warum in Ludwigsfelde eine weitere Niederlassung gebaut wird, um noch näher an den Lieferanten und Kunden dran zu sein – näher in puncto Logistik, regionale Produkte, Beratung und vieles mehr.

Wobei die Vermarktung regionaler Produkte alles andere als eng gesehen, also durchaus flexibel gehandhabt wird. Beelitzer Spargel etwa wird derzeit in ansehnlichen Mengen auch den gastronomischen Betrieben an der Ostseeküste geliefert. Warum? „Weil die Berliner als Urlaubsreise oder Wochenendausflug nach Norden ausschwärmen und dort Beelitzer Spargel essen wollen“, erzählt René Koop – purer Kunden- und Verbraucherservice also, der den mobilen Berlinern auch auswärts ein Stück Heimat auf dem Teller serviert.

Bei Chefs Culinar wie anderswo ist deutlich spürbar, dass der Kundenwunsch nach Regionalität kontinuierlich wächst. Deshalb versucht der Großhändler, die Bandbreite entsprechender Sortimente und Lieferanten zu erweitern. So sind die betriebseigenen „Pfadfinder“ auch in Brandenburg stets auf der Suche nach heimischen Produkten wie Fleisch, Fisch oder Obst & Gemüse – keine leichte Aufgabe, da es um einen Strauß unterschiedlicher Anforderungen geht: Sortimentsvielfalt, Produktqualität und -sicherheit oder Nachhaltigkeit und kurze Wege, um nur einige zu nennen. Wichtig auch: Die Partner der Vorstufe müssen die erforderlichen Mengen zuverlässig bereitstellen können, was nicht jeder potenzielle Lieferant gewährleisten kann.

...und auf dem Weg zum Kunden.

…und auf dem Weg zum Kunden.

Ein so großes und vielseitiges Unternehmen verfügt über genügend Know-how und Marketingpower, um nicht nur „passgenau“ die Kundenwünsche im Nachvollzug zu erfüllen, sondern auch proaktiv zusätzliche Nachfrage nach bestimmten Warengruppen zu schaffen. „Wir können als Marktführer neue Wege gehen, die nachgelagerte Betriebe nutzen und sagen, da gehen wir mit. Hier sind wir durchaus Vorreiter in der Branche“, erläutert René Koop.

Aber wie bei anderen Unternehmen auch, gibt es in diesem Business limitierende Faktoren als da sind: Personalmangel, steigende Personal- und Energiekosten oder dramatisch erhöhte Rohstoffpreise. Das treibt die „Tellerpreise“, so der Branchenjargon, derart in die Höhe, dass die Marktteilnehmer nach Alternativen suchen müssen. „Aus unserer Sicht heißt das, dass wir dem Kunden ergänzend Convenience-Lösungen anbieten und unsere Köche neue Produkte entwickeln“, erklärt Julia Neumann.

Mit der neuen Niederlassung in Ludwigsfelde setzt das Unternehmen ein Zeichen für mehr Regionalität und Nachhaltigkeit. Durch Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten werden u.a. neue Arbeitsplätze geschaffen und gesichert, was letztlich auch dem Interesse des Gemeinwohls dient.

Chefs CulinarCHEFS CULINAR Nord-Ost GmbH
Ernst-Abbe-Straße 2
17033 Neubrandenburg
info-nb@chefsculinar.de
www.chefsculinar.de

Holland-Park Schwanebeck: Freizeit, Gastronomie und Handel an einem Ort

Abenteuer, Spaß, Gastronomie und Gartencenter – das ist der Holland-Park Schwanebeck.

Blick in die 3.600 m² große Indoorspielhalle „Speelparadijs“.

Es war der Traum und ein jahrelanges Geduldsspiel, ein finanzieller Kraftakt und eine organisatorische Meisterleistung: Als die Familie Roelofs am 5. April dieses Jahres ihren Freizeitpark im Nordosten Berlins (teil-) eröffnete, fiel allen Beteiligten ein Stein vom Herzen. Und es fiel der Startschuss für ein außergewöhnliches Projekt, das zum Shoppen und Speisen, zu Spiel und Spaß einlädt – kurz: eine spannende Location für Besucher. Aber auch für heimische Lieferanten, auf die nämlich ein vielversprechender Hot Spot der Vermarktung wartet.

Als Theo Roelofs, Spross einer traditionsreichen holländischen Gärtnerfamilie, zum ersten Mal nach Berlin und Brandenburg kam, entwickelte er gemeinsam mit Ehefrau Astrid den Plan, die eigene Gärtnerei bei Nimwegen aufzugeben und hier im wahrsten Sinne des Wortes neue Wurzeln zu schlagen. Das war 1993. Zwei Jahre später war das kühne Vorhaben Realität: das Gartencenter in Berlin-Tegel, dem weitere Standorte folgten, und zwar Schwanebeck (1999) und Märkisches Viertel (2006).

Im Jahr 2002 reifte der nächste Traum. Nach einem Familienbesuch im Freiluftmuseum Zaanse Schans bei Amsterdam ließ das Unternehmerpaar die Idee nicht mehr los, auch den Menschen in Berlin holländisches Leben des 17. Und 18. Jahrhunderts näher zu bringen: Windmühlen, kleine Häuser mit den typischen Fassaden, gebogene Brücken, die über Wassergräben führen, Schafe.

Es dauerte gut zehn Jahre, bis 37 Grundstücke rund um das bestehende Gartencenter in Schwanebeck erworben waren – eine Gesamtfläche von 19 Hektar, zehn davon als Ausgleichsfläche mit 40 Bienenstöcken ausgestattet. Dann war es an der Zeit, mit der Planung des holländisch inspirierten Erlebnisparks zu beginnen. Ganze sieben Jahre nahmen die Genehmigungsverfahren in Anspruch, bis kurz vor Weihnachten 2020 der erste Spatenstich den Beginn einer Großbaustelle markierten.

Gartencenter mit historischer Scheune aus Holland.

Gartencenter mit historischer Scheune aus Holland.

Es dauerte aber nur 15 Monate, bis der Hollandpark so weit fertiggestellt war, dass er seine Pforten öffnen konnte. Bereits heute wird das großflächige Gartencenter umgeben von einem großzügigen Bauernmarkt, von umfangreichen gastronomischen Angeboten sowie einem außergewöhnlichen Freizeitpark, zu dessen Attraktionen neben der restaurierten Achtkant-Holländer-Mühle sicherlich der riesige Rutschenturm gehört – Spiel und Spaß für Kind und Kegel. In der nächsten Phase wird auf dem hinteren Teil des Geländes an zusätzlichen Attraktionen gearbeitet. Eröffnung zur Jahreswende 2022/23.

„Obwohl wir noch nicht komplett geöffnet haben, wird unser Projekt schon jetzt sehr gut angenommen“, schwärmt Theo Roelofs. „Der Parkplatz war und ist voll, Besucherzahlen und Umsätze stimmen.“ Das ist auch gut so, denn satte 28 Millionen Euro musste er in die Hand nehmen, um den Traum zu verwirklichen. Der Erlebnispark, der verkehrsgünstig am Autobahnfreieck Barnim liegt, wird 365 Tage im Jahr geöffnet sein. Derzeit sorgen 85 Mitarbeiter dafür, dass der Laden rund läuft; der fertige Betrieb wird ab 2023 etwa 120 Beschäftigte haben.

Eins liegt dem Unternehmer noch am Herzen: Er ermuntert weitere Vermarktungspartner aus der Region, ihre Ware in der rund 600 Quadratmeter großen Bauernmarkthalle zu präsentieren und zu verkaufen. Willkommen sind nicht nur Lebensmittler, sondern auch Hersteller von handwerklichen Produkten. „Nischenprodukte von Einmann-Betrieben und in kleiner Stückzahl finden bei uns ebenso Platz wie größere Firmen. Interessenten können gern auf mich zukommen“, betont er.

Holland-Park SchwanebeckHollandpark Schwanebeck
Inhaber: Theo Roelofs
Dorfstraße 30
16341 Panketal OT Schwanebeck
(0160) 97 98 51 70
theo.roelofs@gartencenter-holland.de
www.hollandpark.de

Unternehmensporträt: Fürstenwalder Agrarprodukte

Setzt auf nachhaltige Lebensmittelproduktion und Landschaftspflege: Inhaber und Geschäftsführer Benjamin Meise

Setzt auf nachhaltige Lebensmittelproduktion und Landschaftspflege: Inhaber und Geschäftsführer Benjamin Meise

„Wir sind ein kleiner unter den großen landwirtschaftlichen Betrieben in Brandenburg“, sagt Benjamin Meise. Doch was der Inhaber und Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH als „klein“ tituliert, klingt mit den gut 3.000 ha Nutzfläche und den 750 Kühen eher wie eine ziemlich große Nummer. Und das ist es auch: ein Hochleistungsbetrieb (nicht nur) der Milchwirtschaft, der sich der nachhaltigen Lebensmittelproduktion und der Landschaftspflege verschrieben hat.

In der Praxis stellt sich das folgendermaßen dar: Am Standort Buchholz (Landkreis Oder-Spree) produziert der Familienbetrieb täglich rund 20.000kg Rohmilch, deren Löwenanteil (gut 90 Prozent) an das Deutsche Milchkontor geliefert wird. Dort, in Deutschlands größter Molkerei, wird die zertifizierte Qualitätsmilch zu einer Vielzahl von Lebensmittelprodukten verarbeitet. Die in Buchholz verbleibende Milch wird unter dem Label „MilchQuelle“ in Eigenregie vermarktet, und zwar hauptsächlich über Milchautomaten und Dispenser an verschiedenen Standorten in Berlin und Brandenburg (darüber haben wir ausführlich im pro agro-Newsletter 07-08/2019 berichtet).

Dieser Vertriebsweg hat sich so gut etabliert, dass man beginnen konnte, die hochqualitative Milch selbst zu verarbeiten. Das steigert ja nicht nur die Auslastung der hofeigenen Molkerei, sondern erweitert auch das Sortiment. Konkret: Seit kurzem wird die Gastronomie über die Milch in 10l-Beuteln hinaus mit stichfestem Naturjoghurt beliefert. Dabei bleibt’s aber nicht: „In der Pipeline“ befinden sich auch der flüssigere Trinkjoghurt, der – wie die Milch – mit Hilfe von Dispensern direkt vermarktet werden kann. Und nicht zu vergessen die geplante Käseproduktion. Den Einstieg soll Grillkäse bilden, „doch da sind wir noch nicht ganz so weit“, meint Benjamin Meise. Was nicht selbst vermarktet wird, geschieht über den regionalen Lieferdienst „Alles vom Land“.

Den Direktvermarktungsanteil von jetzt unter zehn Prozent will der studierte Betriebswirt und gelernte Landwirtschaftsmeister kräftig erhöhen. Für spätestens nächstes Jahr hat er die Marke von 30 Prozent angepeilt; als langfristiges Ziel schweben ihm sogar 100 Prozent vor. Aber wieso will er den klassischen Absatzmittler, also den Lebensmittelhandel, nicht mit ins Boot nehmen? „Das macht nur Sinn, wenn man ein unverwechselbares Produkt hat“, sagt er. Und: „Außerdem wollen wir uns nicht dem Preiskampf aussetzen. Zu unserer Ziel- und Stammkundschaft gehören vielmehr Verbraucher, die bereit sind, mehr Geld für unsere Produkte auszugeben.“

Das gilt auch für die Fleischprodukte: Alle sechs Wochen wird ein Jungrind bei einem Partnerbetrieb geschlachtet. Die Jungrinder stammen aus der Fürstenwalder Vieh und Fleisch GmbH Briesen, einer Tochtergesellschaft, die sich um die Aufzucht der Buchholzer Kälbchen kümmert. Dort sind auch die 22.000 Legehennen „angesiedelt“, die täglich für rund 17.000 Eier Nachschub sorgen. All diese Produkte werden unter anderem über den eigenen Hofladen vermarktet.

Überdies wird auf den ausgedehnten Flächen natürlich auch klassischer Ackerbau betrieben, vor allem Raps und Getreide; die Feldfrüchte werden einerseits an die verarbeitende Industrie verkauft, andererseits als Futter für die Tiere verwendet. Nach den extrem trockenen Sommern 2018/2019 begann der Landwirt, alternative Kulturen wie Hartweizen, Dinkel oder Hanf anzubauen. Obwohl gerade Hanfprodukte derzeit nicht leicht zu vermarkten sind, sieht man wegen ihrer beruhigenden Wirkung doch Zukunftspotenzial. Die sehr vielseitige Pflanze wird heute zu Kaffee oder Tee veredelt und deren Samen Backmischungen beigegeben.

All sein Tun hat Benjamin Meise dem Thema „Nachhaltigkeit“ untergeordnet. Darunter versteht er dreierlei: regenerative Landwirtschaft im Einklang mit der Natur (Schutz der Umwelt), soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und lokaler Lebensgemeinschaft, Rentabilität in der Ökonomie als Zukunftssicherung für den Betrieb.

Dass dies keine leeren Worte sind, zeigt folgendes Beispiel: Zusammen mit fünf weiteren Landwirten plant er die Errichtung des „Klimaparks Steinhöfel“. Hier werden auf mehreren Einzelflächen (zusammen 500 ha) Solaranlagen gebaut. Die einzelnen Module werden zwischen 1,80m und 3,00m hoch sein und wie Gewächshäuser wirken, unter denen die Flächen landwirtschaftlich genutzt werden können, etwa für Bienenvölker, mobile Hühnerställe oder Schafhaltung, aber auch für Gemüse- und Heilpflanzenanbau. Damit das Landschaftsbild so wenig wie möglich gestört wird, werden rund um die Anlagen hohe Hecken gepflanzt – insgesamt also ein Konzept, wo Strom aus erneuerbaren Energien mit regenerativer Landwirtschaft vereinbart werden. Und ganz im Sinne eines Landwirts, der sich der nachhaltigen und ganzheitlichen Wirtschaftsweise verpflichtet fühlt.

Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH
Buchholzer Dorfstraße 23
15518 Steinhöfel/OT Buchholz
033636/276-10
benjamin.meise@agrafrisch.de
www.agrafrisch.de

pro agro-Stammtisch der Ernährungswirtschaft

Jan Schleicher (rechts im Bild) hat es mit besonders preissensiblen Kunden zu tun.

Jan Schleicher (Rewe Ost, rechts im Bild) spricht vor den Teilnehmern des pro agro Branchentreffen

Das von pro agro initiierte Branchentreffen der Ernährungswirtschaft am 17.03.2022 im Spargelhof Klaistow stand unter dem Generalthema „Kooperationen und Vermarktungsaktivitäten mit dem Handel in der Hauptstadtregion – Rewe Ost.“ Ferner ging es um eine Analyse des Status quo und der künftigen Performance des Lebensmittelhandels in Brandenburg. Die knapp 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten einen Einblick in die wirtschaftliche Power des Händlers und in die Verbrauchertrends.

Jan Schleicher vertritt die größte Region der REWE Markt GmbH, nämlich die Zweigniederlassung Ost, die sich über das gesamte Gebiet der ehemaligen DDR erstreckt. Als Leiter Category Management ist er demnach zuständig für das Sortiment der Supermärkte in sechs Bundesländern (einschließlich Berlin). Das bedeutet ein ordentliches Stück Verantwortung und Arbeit, nicht nur wegen der ausgedehnten Fläche, sondern auch wegen der 750 Outlets (inkl. Nahkauf) und der rund 24.000 Beschäftigten, die hier arbeiten.

Die Region steht für insgesamt 5,6 Milliarden Euro Umsatz (2021), der zwar über die Jahre mit weniger Kunden erzielt wird, deren steigende Durchschnittsbons den Gesamterlös allerdings mehr als wettgemacht haben. Und das trotz niedriger Kaufkraft, die zum Teil deutlich unter dem bundesweiten Schnitt liegt. „Da außerdem die Arbeitslosenquote in unserer Region recht hoch ist, sind unsere Kunden besonders preissensibel“, fügt Schleicher hinzu. Dass REWE trotzdem gutes Geschäft macht, führt er u.a. auf spezielle Angebote wie den Abholservice sowie auf die kontinuierlich steigenden Umsätze der Eigenmarke „REWE Regional“ zurück (2021: fast 54 Millionen Euro).

Franziska Fechner-Rutz (REWE Ost) stellt individuelle Strategien für eine gemeinschaftliche Vermarktung vor

Franziska Fechner-Rutz (Rewe Ost) stellt individuelle Strategien für eine gemeinschaftliche Vermarktung vor

Die Lokalitätsbeauftragte der REWE Ost für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern,  Franziska Fechner-Rutz, stellte anschließend „Die REWE Lokal-Partnerschaft“ vor, die für die nachhaltige und faire Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten und Erzeugern steht. Bei diesem Konzept gehe es unter anderem darum, den Erhalt kleinbäuerlicher, familiengeführter Strukturen zu unterstützen.

„Wir erarbeiten mit jedem Lieferanten eine individuelle Strategie für eine gemeinschaftliche Vermarktung der Produkte“, erläuterte sie. Überdies habe man für lokale Lieferanten einen vereinfachten Prozess zur Listung von Produkten eingeführt. Die Basics sind dabei: EAN Code, Zertifizierungen, Produkthaftpflichtversicherung, Verpackung/Etikett, Preisfindung und Abrechnung sowie Lieferung über Strecke (nicht Lager).

Über diese grundlegenden Informationen hinaus warf Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, einen Blick auf die generellen Handelstrends. Allein die durch die Pandemie verursachten und die Ukraine-Krise verschärften Verwerfungen im Einzelhandel insgesamt habe die Lage völlig verändert, so der Verbandsmanager. Kritik übte er vor allem an dem eklatanten Mangel an Krisenmanagement: „Wir haben uns schon im ersten Jahr geleistet, durch den Nebel zu fahren“, sagte er und schob die Warnung nach: „Wir müssen aufpassen, dass uns das im dritten Jahr nicht mürbe macht.“

Handelsverbands-Chef Busch-Petersen betont den Trend zur Digitalisierung im Lebensmittelhandel

Nils Busch-Petersen (Handelsverband Berlin-Brandenburg) betont den Trend zur Digitalisierung

Seine Prognose lautete, dass sich nicht nur die Innenstädte verändern werden; gleichzeitig werde es „eine irreversible Verschiebung“ von stationären zu Online-Handelsformaten geben. Das gelte im Übrigen auch für den Lebensmittelhandel, wo das Online-Geschäft immer stabiler werde. Dieser Trend zur Digitalisierung macht seiner Auffassung nach nicht Halt vor der Kundenwerbung – sprich: Die traditionellen Handzettel sind ein Auslaufmodell, was durchaus ein ökologischer Vorteil sein kann., wie er sagte.

Mit Blick auf die Verbraucher erwartet Busch-Petersen eine stärkere Genussorientierung und eine weiter wachsende Zuwendung zu bio und regional sowie vegetarisch und vegan, begleitet von zunehmenden Forderungen nach mehr Tierwohl. Einen limitierenden Faktor sieht er hier allenfalls in der Preisentwicklung. Die Zukunftsschancen des LEH schätzt er derzeit höher als die des Nonfood-Handels ein. Generell empfiehlt er der Branche, „weiter nach Wegen zu suchen, um die regionale Wertschöpfung zu erhöhen“.

pro agro-Branchenbarometer 2021 (Teil 2)

Obwohl die Stimmung besser als erwartet ist (siehe pro agro-Newsletter 01-02/2022) haben Brandenburgs Lebensmittelerzeuger und -verarbeiter dennoch Fragen und Wünsche an pro agro und die Landesregierung. Was die Akteure aktuell besonders umtreibt, sind die massiv gestiegenen Preise für Rohstoffe, Energie, Logistik etc. und die damit verbundene Frage, wie hoch die Produktpreise sein müssten, um eine nachhaltige Zukunftsperspektive zu haben.

Ein heißes Thema: Um ein gedeihliches und nachhaltiges Auskommen zu haben, sieht die weit überwiegende Mehrheit der Befragten die Notwendigkeit, die Produktpreise an die massiv gestiegenen Kosten anzupassen (siehe Grafik). Nur 6 Prozent halten das für nicht nötig, aber fast die Hälfte (46 Prozent) gibt zu Protokoll, die Preise müssten um mehr als 20 Prozent steigen. Soweit die verständliche und legitime Wunschvorstellung.

Quelle: pro agro-Branchenbarometer 2021

Quelle: pro agro-Branchenbarometer 2021

Und ein heißes Eisen: Höhere Preise zu setzen, mag für den Direktvermarkter einfacher sein als für den Produzenten, der neben dem Verbraucher zusätzlich die „Zwischenstation“ des Handels berücksichtigen muss. Da kann er sich bei den Listungsgesprächen eine Schlappe einhandeln, schließlich wollen alle Glieder der Wertschöpfungskette Geld verdienen. Und: Wer kann schon garantieren, dass der Verbraucher die höheren Preise überhaupt akzeptiert?

Das war auch Thema beim pro agro-Stammtisch der Ernährungswirtschaft, kürzlich auf dem Spargelhof Klaistow (siehe den Bericht in der Rubrik HANDEL).  Jan Schleicher, Leiter Category Management der REWE Ost, brachte es seinerzeit auf den Punkt: „Beide Seiten müssen bei der Preisfindung die richtige Balance finden“, sagte er. Konkret: „Der Hofladenpreis ist unsere Benchmark.“ Überdies empfahl er den Herstellern, wegen fehlender Messen oder Warenbörsen intensive Kundenpflege in Richtung Einkauf, Marktleitung und Verbraucher zu betreiben.

Neben diesem hochsensiblen Thema, das zu den „Dauerbrennern“ im Verhältnis Handel und Lieferanten zählt, gibt das Branchenbarometer auch zum Investitionsverhalten Auskunft. Demnach haben knapp drei Viertel der Lebensmittelerzeuger und -verarbeiter vor, im laufenden Jahr in Produktionsanlagen bzw. Maschinen zu investieren. Von immerhin knapp der Hälfte können wir Produktneueinführungen erwarten (siehe Grafik).

Quelle: pro agro-Branchenbarometer 2021

Quelle: pro agro-Branchenbarometer 2021

Im Rahmen der Befragung hatten die Teilnehmer außerdem Gelegenheit, individuelle Wünsche zur Unterstützung durch pro agro und die Landesregierung zu äußern. In Richtung Verband lautete der Wunschzettel: Wahrnehmung und Wertschätzung der Brandenburger Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft fördern, Interessenvertretung der Branchenunternehmen in der Politik stärken sowie die regionale Zusammenarbeit und Wertschöpfung durch neue Konzepte unterstützen. Klar wurde auch, dass über allem das Interesse an Vernetzung und Vermarktung steht.

Von der Politik bzw. Landesregierung erwarten/erhoffen sich die Betriebe grundsätzlich mehr Hinwendung. Daneben ist die Entbürokratisierung das Hauptthema, insbesondere einfachere bzw. beschleunige Genehmigungsverfahren. Häufig genannt wurden auch finanzielle Unterstützung bei Investitionen, im Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten sowie bei der Fach-/ Arbeitskräftegewinnung.

Ukraine-Krise und Lebensmittelversorgung

Anfang März schauten Ladenbesucher vielerorts in leere Regale

So weit wird’s nicht kommen: leere Regale im LEH

Der Krieg in der Ukraine lässt nicht nur die Energiepreise rapide steigen. Damit einher gehen erhebliche Lieferengpässe bei Rohstoffen (Getreide, Ölsaaten etc,), wodurch die Lebensmittelbranche einem doppelten Stresstest ausgesetzt ist: Anstieg der Rohstoffkosten auf der einen Seite, Hamsterkäufe der Verbraucher auf der anderen. Die Politik versucht die Märkte zu beruhigen: „Die Versorgung ist sichergestellt“, sagt Ernährungsminister Cem Özdemir. Ist das so? Wir haben uns beim regionalen Handel umgehört.

EDEKA Handelsgesellschaft Minden-Hannover mbH
„Aktuell können wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten eine ausreichende Versorgung mit allen Produkten des täglichen Bedarfs sicherstellen und blicken auf eine stabile Versorgungslage. Es kommt allerdings aufgrund des derzeitigen Einkaufsverhaltens unserer Kunden bei bestimmten Produkten (Speiseöle, Mehl) zu kurzzeitigen Lieferengpäs- sen. In solchen Fällen können unsere Kunden von der Vielfalt im EDEKA-Sortiment profitieren und auf Produktalternativen oder andere Marken- und Eigenmarken zurückgreifen.“
Marcus Reh, Abteilungsleiter Regionaleinkauf Berlin/Brandenburg, Sachsen-Anhalt

REWE Group
„Grundsätzlich ist die Lebensmittelversorgung gesichert. Nach einer ersten Hamsterwelle Anfang März, die auf Solidaritätskäufe für die Ukraine zurückzuführen ist, befinden wir uns aktuell in einer zweiten Hamsterwelle – einer Bevorratungswelle, um die eigenen Keller zu befüllen. Solidarisch einkaufen heißt, den anderen Kundinnen und Kunden auch etwas übrig zu lassen. Eben haushaltsübliche Mengen zu kaufen. Auf diese Größenordnung sind Produktion und Lieferlogistik ausgerichtet.“
Jan Schleicher, Leiter Category Management REWE Ost

BIO COMPANY SE
„Getreide und Sonnenblumen sind in vielen Produkten, vom Futtermittel bis zum Lebensmittel enthalten. Voraussichtlich werden die weltweit zur Verfügung stehenden Mengen in 2022 und darüber hinaus durch Ernteausfälle und Handelsbeschränkungen geringer ausfallen als gewohnt. Preissteigerungen und Knappheiten können die Folge sein. Vermutlich wird aber die ökologische Lebensmittelwirtschaft etwas weniger stark tangiert werden als die konventionelle. Denn der Anteil an eingesetzten Roherzeugnissen aus der Ukraine und Russland ist hier etwas geringer.“
Felix Wachsmuth, Leitung Sortiment & Einkauf

Netto ApS & Co. KG
„Auch wir haben aufgrund der immensen Nachfrage die Abgabe von Mehl und sämtlichen Ölarten seit letzter Woche auf mittlerweile zwei Stück pro Einkauf limitiert. Produkte mit ebenfalls erhöhter Nachfrage sind Konserven, Nudeln und Toilettenpapier. Wir werden bei allen Warengruppen weiterhin im Rahmen der vertraglich vereinbarten Mengen regulär beliefert, so dass bei normaler Nachfrage keine Engpässe entstehen (würden).“
Dr. Markus Ungruhe, Leiter Marketing & Kommunikation

Transgourmet Deutschland GmbH & Co. KG
„Bisher ist eine Verknappung von handelsüblicher Ware nicht in Sicht. Natürlich verschärfen die Hamsterkäufe durch die Medien getrieben die Situation kurzfristig. Wir versuchen solchen Hamsterkäufen mit Kürzungen auf die normal üblichen Mengen entgegenzuwirken. Mehr Sorgen machen uns die labilen Lieferketten in der Logistik, seitens unserer Lieferanten und deren Spediteuren. Das ist dem Fachkräftemangel zuzuschreiben, verschärft durch hohe Corona-Inzidenzen sowie den Wegfall der ukrainischen Kraftfahrer, die jetzt als Soldaten ihr Vaterland verteidigen müssen.“
Volker Lathwesen, Vertriebsleitung Gemeinschaftsverpflegung EVE Nord-Ost

Handelsverband Berlin-Brandenburg e.V.
„Der Lebensmittelhandel in Berlin-Brandenburg bleibt stark, er verfügt über ein starkes Netzwerk. Hier wird keiner verhungern. Die Grundversorgung der Bevölkerung ist gesichert. Mit temporären Lücken in einzelnen Warengruppen ist allerdings zu rechnen.“
Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer

Info-Tipp
Der Verein Food – Made in Germany e.V. (FMIG) hält zum Thema umfangreiches Informationsmaterial bereit, darunter BMEL-Marktstudien zu den Lebensmittelbranchen in der Ukraine und Russland:

Ukraine, BMEL Länderbericht, Mai 2021
Russische Föderation, Länderbericht, April 2020

Ausführliches Zahlenmaterial zum Außenhandel Deutschlands mit den Ländern Ukraine, Russland und Belarus (jeweils Waren der Land- und Ernährungswirtschaft 2021) stellt FMIG unter folgendem Link zur Verfügung:

Alle drei Länder, sortiert nach Wert.

Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln in Deutschland

Spargel- und Erlebnishof Klaistow: Eine gelungene Verbindung von Geschäft und Spaß

Antje und Ernst-August Winkelmann, Betreiber des Spargel- und Erlebnishof Klaistow (Foto: Michael Wendt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Wirtschaftsjargon würde man sagen, der Landwirt Ernst-August Winkelmann ist Inhaber einer diversifizierten Unternehmensgruppe: Vom elterlichen Betrieb im nordrheinwestfälischen Rahden, der „Keimzelle“ seiner Aktivitäten, machte er sich 1991 auf den Weg nach Brandenburg mit dem Ziel, zusätzlich in Klaistow Fuß zu fassen. Dort pachtete er zunächst 11 ha Land, um Spargel anzubauen. Doch dabei blieb es nicht – weder was die Zahl der Brandenburger Standorte, noch was den Spargel angeht. Zwei Betriebe kamen hinzu, die Ackerflächen summierten sich auf das Zigfache, die Zahl der in großem Stil angebauten Bodenfrüchte nahm zu. Heute repräsentiert das Unternehmen einen Betrieb, der seine landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht nur direkt beim Verbraucher vermarktet, sondern auch als Produzent für den Lebensmittelhandel verarbeitet und veredelt.

Bei allem Unternehmergeist ist Ernst-August Winkelmann (Foto mit Ehefrau Antje) stets bodenständig geblieben: „Morgens gehe ich über die Felder und schaue, was da läuft. Das ist für mich das Schönste“, schwärmt er. Klingt fast ein bisschen romantisch, wie er das so sagt. Doch Romantik reicht nicht, um ein derart großes, recht schnell gewachsenes Unternehmen zu führen. Und so sieht es gegenwärtig aus:

  • Der Betrieb in Rahden (gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich bewirtschaftet) ist von sechs auf heute 600 ha Spargel plus über 100 ha Heidelbeeren vergrößert worden;
  • in Klaistow (gemeinsam mit seiner Frau bewirtschaftet) sind aus den 11 ha Spargelanbau 800 ha geworden, flankiert von 200 ha Heidelbeeren und 20 ha Erdbeeren, und
  • der 2007 gekaufte Betrieb in Kremmen baut auf 200 ha Fläche Spargel und auf 30 ha Heidelbeeren an.

Einen richtigen Coup landete der findige Unternehmer, als er eine ehemalige NVA-Kaserne in Hennickendorf (Luckenwalde) kaufte und umrüstete. Hier werden seine landwirtschaftlichen Erzeugnisse mit modernsten Maschinen gemäß den strengen Qualitäts- und Hygienevorschriften zur Vermarktung über den Lebensmittelhandel verarbeitet. Da musste er viel Geld in die Hand nehmen, und zwar für den Umbau der ehemaligen Kasernengebäude in Produktionshallen und moderne Unterkünfte für die Mitarbeiter. In diesen Genuss kommen insbesondere die bis zu 2.000 Saisonkräfte während der Erntezeit, die teilweise mit ihren Familienangehörigen dort leben und arbeiten. „Rundum-Service inbegriffen“, wie Winkelmann betont: Geldautomaten, Wäsche-Service, Sportplatz und vieles mehr.

Während also in Hennickendorf der Spargel & Co. für den LEH verkaufsgerecht verarbeitet werden, wird das, was die Äcker in Klaistow und Kremmen hergeben, ausschließlich direkt vermarktet. Zum Beispiel über deren Hofläden und Online-Shops oder während der Hochsaison über 200 kleine mobile Verkaufsstellen, die in Berlin und Brandenburg an strategisch günstigen Orten positioniert werden. Nicht zu vergessen die ausgedehnten Heidelbeer- und Erdbeerfelder samt Kartoffeläcker, wo die Verbraucher ihre Ware selbst ernten können.

Das kann für Groß und Klein einen willkommenen Spaßfaktor darstellen, was Winkelmann übrigens auch so sieht, aber nicht nur: „Ich halte es für wichtig, dass die Verbraucher wissen, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse entstehen und verarbeitet werden. Das hat was mit Wertschätzung zu tun. Wir wollen, dass die Leute an unsere Produkte herangeführt werden“, sagt er. Das sieht in diesem Sinne nach einer lohnenden Maßnahme aus: Immerhin kommen allein in Klaistow zur Hochsaison täglich mehrere tausend Leute zum Selbstpflücken.

Jährlich im Herbst lockt die Kürbisausstellung Groß und Klein nach Klaistow (Foto: Michael Wendt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„In Klaistow haben wir einen Bauernhof mit Erlebnischarakter aufgebaut“, erzählt Winkelmann, wo Erwachsene und Kinder neben der „Arbeit“ (also dem Selbstpflücken) Spaß und Ablenkung haben sollen. Dafür sorgen unter anderem ein ausgedehnter Spielplatz; der Wald mit Wildgehegen, Kletterpark und Erlebnispfad; die eigene Bäckerei oder die Gastronomie und vieles mehr. Nicht ohne Stolz berichtet er auch über die jährliche Kürbisausstellung im Herbst, die während der acht Wochen Öffnungszeit zweihundert- bis dreihunderttausend Besucher anlockt.

Dies alles und weitere Aktivitäten, die über das reine Verkaufsgeschäft hinausgehen, sorgen für ordentlich Publikumsverkehr in Klaistow und Kremmen, was wiederum die Mund-zu-Mund-Propaganda fördert und damit letztlich auch die Nachfrage belebt – ein Wirtschaftskreislauf also, der nicht nur der Unternehmerfamilie, sondern auch den Mitarbeitern und der gesamten Region zugutekommt.

Leichte Zuversicht in der Ernährungswirtschaft

Trotz Corona-Pandemie fällt das Urteil der Lebensmittel erzeugenden Agrar- und der verarbeitenden Ernährungswirtschaf über das Geschäftsjahr 2021 positiver als erwartet aus. So sprechen 37 Prozent der Betriebe von einem besseren bzw. deutlich besseren Verlauf als im Vorjahr, und 35 Prozent sehen keine Veränderung; 28 Prozent beurteilen die Performance insgesamt negativ. Verhalten optimistisch blickt die Branche auf das laufende Jahr: 39 Prozent der Unternehmen sind überwiegend positiv gestimmt, während 19 Prozent eine schlechtere bzw. deutlich schlechtere Entwicklung erwarten. Das sind die zentralen Ergebnisse des „pro agro-Branchenbarometers 2021“, das der Agrarmarketingverband in Kooperation mit dem Landesbauernverband Brandenburg ins Leben gerufen hat. Die Online-Umfrage soll zwei Mal pro Jahr stattfinden.

Das pro agro-Branchenbarometer 2021, an dem 133 von 650 angeschriebenen Branchenunternehmen teilgenommen haben, zeigt – trotz widriger Umstände (Corona-Pandemie) mehr Licht als Schatten. „Dass fast zwei Drittel der Unternehmen das abgeschlossene Geschäftsjahr 2021 als stabil bis gut beurteilen, ist eine ermutigende Rückmeldung,“ sagt pro agro-Geschäftsführer Kai Rückewold. Ferner hat sich herausgestellt, dass über die Hälfte (51 Prozent) der Betriebe ihre Produkte bundesweit und 11 Prozent sogar im Ausland vermarkten. Auf der Basis dieser Zahlen und mit Blick auf die Forcierung regionaler Wertschöpfungsketten sieht der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, Denny Tumlirsch, „noch immer ungeheuer viel Luft nach oben“. Gemeinsam wollen beide Interessenverbände die regionale Vermarktungsquote in den kommen Jahren „deutlich verbessern“.

Die meisten Umsätze erzielen die Unternehmen über die Partner im Lebensmitteleinzelhandel (48 Prozent), gefolgt von immerhin 40 Prozent über eigene Hofläden bzw. Direktvermarktung. Mit 8 Prozent spielt der Online-Umsatz bisher noch eine eher untergeordnete Rolle. Großes Potenzial sieht pro agro bei der intensiveren Vermarktung in die Gemeinschaftsverpflegung (21 Prozent) und Gastronomie (8 Prozent). Hier will der Verband im laufenden Jahr einen Arbeitsschwerpunkt setzen und in die Offensive gehen.

„Da muss etwas passieren“, so Kai Rückewold. Regionale Qualität, zum Beispiel bei Fleisch, sei oft teurer als Produkte aus dem Ausland, und die Budgets für Kantinenessen oder Caterer seien häufig zu knapp. „Das ist ein Dilemma. Gemeinsam mit der Politik möchte ich persönlich in den Chefetagen großer Unternehmen für regionale Nachhaltigkeit werben“, kündigt er an.

Als die drei größten Herausforderungen für den wirtschaftlichen Erfolg nennen die Unternehmen folgende Themen: steigende Energiekosten, steigende Personalkosten und Arbeitskräftemangel. Diese Probleme wiegen nach Aussagen der Unternehmen weit schwerer als sinkende Erlöse bei Handelspartnern oder die Corona-Pandemie (siehe Grafik).

Die Online-Umfrage wurde mit Unterstützung des SIBB e.V. – dem Verband der Digitalwirtschaft Berlin-Brandenburg umgesetzt. Das nächste pro agro-Branchenbarometer soll zur Jahresmitte erhoben werden. Es wird überlegt, bei weiter positiver Resonanz die Onlinebefragung künftig auch für kurzfristige Stimmungsbarometer zu aktuellen Fragen in der Branche zu nutzen. Weitere Infos finden Sie hier.

Ein PDF mit grafischer Auswertung des pro agro-Branchenbarometers können Sie unter folgender Adresse anfordern: presse@proagro.de

Neben Rückblick und Ausblick als wirtschaftliche Momentaufnahmen haben die teilnehmenden Unternehmen auch einen Katalog von Themen formuliert, bei denen sich die Branche Unterstützung von pro agro wünscht. Darüber berichten wir in der März-Ausgabe des pro agro-Newsletters der Ernährungswirtschaft.

Das Land Brandenburg gibt regionalen Produkten ein Gesicht

„Gesicherte Qualität Brandenburg“ und „bio Brandenburg Gesicherte Qualität“. So heißen die beiden regionalen Gütesiegel, die das Brandenburger Landwirtschaftsministerium (MLUK) kürzlich vorgestellt hat. Sie sind Teil eines EU-notifizierten Qualitätsprogramms und können von der Lebensmittelwirtschaft des Landes durch Erfüllung bestimmter Kriterien bei der Vermarktung von Produkten genutzt werden. Ziel ist laut MLUK, den Verbrauchern mit den Qualitätssiegeln eine bessere Orientierung zu geben. Landwirtschaftsbetriebe und Ernährungshandwerk wiederum sollen Gelegenheit haben, „ihre Produkte sichtbarer zu platzieren und damit die steigende Nachfrage nach guten regionalen Lebensmitteln besser zu stillen.“ Über die einzelnen Schritte der landesweiten Einführung halten wir Sie auf dem Laufenden.

Die Qualitätszeichen sind bereits beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet und damit geschützt. Nutzungsverträge für die Qualitätszeichen können die Betriebe nur mit Lizenznehmern schließen, die vom MLUK eingesetzt werden; aktuell sind das die pro agro GmbH für konventionelle und Bio-Erzeugnisse sowie die FÖL, Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau e.V., für Bio-Produkte. Kriterien für die Vergabe im Bereich Nutztierhaltung sind beispielsweise

bio Brandenburg Gesicherte Qualität:

  • 100 Prozent ökologisches Wirtschaften
  • strengere Vorgaben zum Tierbesatz
  • ausreichend Grünfutter für Wiederkäuer
  • höchstens vier Stunden Transport zum Schlachthof.

Gesicherte Qualität Brandenburg:

  • Herstellung laut Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“
  • kontrollierte regionale Herkunft und Aufzucht von Nutztieren
  • über 50 Prozent Verwendung hofeigener Futtermittel
  • höchstens vier Stunden Transport zum Schlachthof.

„Mit den Qualitätszeichen kann es gelingen, Verbraucherinnen und Verbraucher in Zukunft die transparente Garantie zu geben, dass das Produkt aus Brandenburg kommt – echt, authentisch und geprüft in der gesamten Lieferkette vom Hof bis ins Regal. Regionalität wird damit für jeden Menschen aus Brandenburg und Berlin garantiert und das sogar staatlich. Um nichts anderes kann es uns als pro agro und unsere Mitglieder gehen: transparente, ehrliche und geprüfte Regionalität aus Brandenburg“, begründet pro agro-Geschäftsführer Kai Rückewold das Engagement als Lizenznehmer.

Vor der Einführung des Siegels durch Zeichennutzer stehen allerdings noch umfangreiche Vorarbeiten an. Teilnehmende Betriebe müssen eine Auditierung durchlaufen, Kontrollstellen zur Einhaltung der Kriterien werden eingerichtet und Beiräte werden aufgebaut. pro agro rechnet mit der ersten Sichtbarkeit der Qualitätszeichen für die Verbraucher nicht vor Anfang 2023.

Die Brandenburger Landesregierung beabsichtigt, die Qualitätszeichen in die Ernährungsstrategie des Landes aufzunehmen. Die Einführung der neuen Siegel wird durch das MLUK öffentlichkeitswirksam begleitet.

Weitere Informationen zum Brandenburger Qualitätszeichen siehe hier und zum Brandenburger Bio-Zeichen siehe hier.

Organisation der Zeichennutzung für „Gesicherte Qualität Brandenburg“

pro agro Marketingpreis 2022: Attraktive Produkt- und Vermarktungsideen – Corona zum Trotz

Transparenz, Nachhaltigkeit, Kooperation: Diese Themen standen im Mittelpunkt aller 40 Produktbeiträge und Vermarktungskonzepte, die im Rahmen des Wettbewerbes „pro agro-Marketingpreis – natürlich Brandenburg“ 2022 eingereicht worden waren. In einem Live-Stream haben Landwirtschaftsminister Axel Vogel und pro agro-Geschäftsführer Kai Rückewold Ende Januar die von einer elfköpfigen Fachjury gekürten Gewinner in den Kategorien Ernährungswirtschaft, Direktvermarktung sowie Land- und Naturtourismus gewürdigt und ausgezeichnet. Der pro agro-Marketingpreis, den der Verband seit 2000 jedes Jahr – üblicherweise im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin – verleiht, ist zum Markenzeichen von Produktentwicklung und Gastlichkeit „Made in Brandenburg“ geworden.

Auch im zweiten Corona-Jahr hat sich gezeigt, dass sich die Branche von den Verwerfungen der Pandemie nicht unterkriegen lässt – im Gegenteil: Die Qualität der Bewerbungen ist Ausdruck attraktiver Produkt- und Vermarktungsideen, die einen wesentlichen Beitrag zur Schließung regionaler Wertschöpfungsketten von der landwirtschaftlichen Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Verkauf leisten. Nicht umsonst sprach Minister Vogel in seiner Laudatio allen, die sich mit Beiträgen am Wettbewerb beteiligt haben, seine „ganz besondere Anerkennung“ aus. „Das Gesamtbild des Bewerberfelds zeigt, dass Brandenburgs von klein- und mittelständischen Betrieben geprägte Ernährungswirtschaft genauso wie die vielen Landurlaub-Anbieter in der Corona-Pandemie keine Pause eingelegt haben. Sie sind weiter kreativ und innovativ unterwegs, knüpfen an aktuelle Trends in der Ernährung und im Freizeitverhalten an und erschließen sich neue Absatzmöglichkeiten“, betonte er.

Kai Rückewold wiederum hob hervor: „Hervorragende Produkte und Vermarktungsideen haben uns erreicht – dieses Engagement wollen wir durch unseren Marketingpreis würdigen und wertschätzen. Wir sind davon überzeugt, dass es gerade in Zeiten wie diesen wichtig ist, positive Signale zu setzen und zu zeigen, dass Ideenreichtum und Schaffenskraft in der Brandenburger Unternehmerlandschaft immer eine Heimat haben. Die hohe Anzahl eingegangener Bewerbungen bestätigt und bestärkt uns darin.“

Und das sind die Preisträger der Lebensmittelbranche:

Ernährungswirtschaft

  • (1) Kornwerk für die regionale Biodiversität und Kranichsberger Agrargesellschaft: Förderung von Biodiversität und Getreidesortenvielfalt im regionalen Anbau
  • (2) Fischerei Wolfgang Schröder: Heimische Fischvielfalt im Supermarkt
  • (3) Golßener Fleisch- und Wurstwaren: Golßeners neue pflanzliche Wurstalternative.

Direktvermarktung

  • (1) Kanow Mühle Spreewald: Müllers Themenboxen
  • (2) Bäckerei Exner: Die Genusskarte – exklusive Vorteile genießen und einfach bezahlen
  • (3) Fleischerei Weiland: „Wilder Mönch“ Wildsalami
  • (3) Landwirtschaftsbetrieb Frank Trogisch: Der Grill-Mähdrescher E 512.

Alle hier genannten Preisträger wurden im Live-Stream vorgestellt und ausgezeichnet. Honoriert werden ihre Leistungen mit einem pro agro-Marketingpaket. Überdies werden die Produktinnovationen und Vermarktungskonzepte aller 40 Wettbewerbsteilnehmer in der Broschüre Neues aus Brandenburg. Ein Land voller Ideen dargestellt.

pro agro Marketingpreis 2022

Klicken Sie hier für Zugang zur Broschüre.

Der auch in diesem Jahr vergebene EDEKA Regionalpreis, ausgewählt aus den Kategorien Ernährungswirtschaft und Direktvermarktung, ging an Fahlberg Safran für das Produkt „Brandenburger Safran“. Der Preisträger erhält eine exklusive Vermarktung des Produkts über die EDEKA-Handelsgesellschaft. Weitere Informationen rund um den pro agro-Marketingpreis 2022 einschl. Gewinner-Fotos finden Sie hier.