Die Idee für den nicht alltäglichen Firmennamen ihres landwirtschaftlichen Betriebes kam den beiden Agrarwissenschaftlern und Jungbauern Ronny (links im Bild) und Tino Ryll während ihrer Lehr- und Wanderjahre. Als die Brüder ab 2006 jährlich durchs ländliche Deutschland und Europa tourten, um sich über die Arbeit der Kollegenbetriebe zu informieren und ihren Erfahrungshorizont zu erweitern, begegnete ihnen in Österreich ein Hingucker der besonderen Art: Straßenschilder, die die kulinarischen Spezialitäten bestimmter Landstriche auslobten. „AMA Genussregion Tirol“ war da beispielsweise zu lesen. Wobei das Kürzel AMA ein Hinweis auf den Absender ist, nämlich die staatliche Vermarktungsagentur „AgrarMarktAustria“. Diese Marketing-Botschaft haben die Brüder Ryll quasi als Souvenier aus der Alpenrepublik mitgebracht und im Firmennamen verewigt. Das war im Jahre 2009. Über die Arbeit heute haben wir uns mit Tino Ryll unterhalten, der den elterlichen Betrieb gemeinsam mit seinem Bruder in die Zukunft führt.
Die Arbeit auf dem 750 Hektar-Hof am südlichen Rand Berlins besteht aus den herkömmlichen „Gewerken“ Ackerbau und Viehzucht. Da liegt es nahe, dass die Brüder die Arbeit untereinander aufgeteilt haben: Der eine (Tino) kümmert sich hauptsächlich um die Feldfrüchte inklusive Wildobstanbau wie Sanddorn und Aronia, der andere (Ronny) ist für die Tiere verantwortlich. „Was uns verbindet, sind unsere Visionen und deren Umsetzung“, betont Tino Ryll. „Auch alle Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Das macht uns zu einem guten Team“, fügt er hinzu.
Zu den wegweisenden Entscheidungen, die sehr viel über das unternehmerische Selbstverständnis aussagt, gehören die Maxime und der Wille, die Landwirtschaft im Einklang mit der Natur zu betreiben, also umweltschonend und nachhaltig regenerativ. Die dahinterstehende Philosophie sieht auf den ersten Blick paradox aus: Rückbesinnung auf traditionelle Arbeitsweisen, um die Landwirtschaft zukunftsfest zu machen. Hier ein paar Beispiele:
Viehzucht. Die Tiere werden ausschließlich zur Fleischerzeugung und -verarbeitung gehalten. Die Rede ist hier von rund 100 Rindern (vor allem Angus, aber auch einige Wagyus) und 20 bis 25 Mangalitza-Wollschweinen. Während die Rinder ganzjährig auf der Weide verbringen („Sie haben nur einen Unterstand, kennen also gar keinen Stallt“), leben die empfindlicheren Schweine in einem großzügigen Gehege mit Stall und viel Auslauf.

Ackerbau. Die Feldfrüchte werden nach den Regeln der „regenerativen Landwirtschaft“ angebaut. Dahinter verbirgt sich eine Methode zur Regeneration der Böden z.B. durch Humusanreicherung. Der Humus wirkt im Boden wie ein Schwamm, was den Boden fit für trockene Wetterphasen macht. „Wir haben uns vorgenommen, den Humus wieder zu beleben und uns durch Lehrgänge darüber kundig gemacht. Seit 2018 arbeiten wir nach dieser Methode“, erzählt Tino.
Zur „regenerativen Landwirtschaft“ gehört auch, dass – wie in früheren Zeiten – beim Anbau von Feldfrüchten die Fruchtfolge gewechselt wird, dass also pro Fläche nicht immer nur eine Kultur angebaut wird. Der Wechsel sieht dann etwa wie folgt aus: Auf Weizen folgt Lein, dann Gerste und in der Folge Zuckerrüben, dann Urweizen und danach Sonnenblumen usw. „Durch dieses Wechselspiel bei den Anbauzyklen sorgen wir für eine viel bessere Bodenbeschaffenheit“, erklärt der passionierte Landwirt. „Außerdem arbeiten wir beim Getreideanbau mit so genannten Untersaaten, d.h. das Getreide steht nicht allein auf dem Feld, sondern gemeinsam mit Begleitsaaten wie Leguminosen, Kreuzblütern und Gräsern.“
Dieser Mix hat den Vorteil, dass die organischen Verbindungen (Wurzelexsudate), die die Wurzeln in den Boden abgeben, als Nahrungsquelle für Bodenmikroorganismen dienen. Dadurch erhält man nicht nur ein stabileres Korn zur Ernte, sondern kann weitgehend den Einsatz von künstlichem Dünger oder Pflanzenschutzmitteln reduzieren. Das spart Kosten und ist gleichzeitig gut für die Umwelt.
Zum Konzept gehört ferner der verstärkte Anbau alter Getreidesorten wie Waldstaudenroggen (Ur-Roggen) oder Rotweizen mit rötlicher Farbe. Hintergrund: Das Brandenburger Bäckerhandwerk arbeitet zunehmend mit solchen Sorten, weil die Verbraucher gern auf entsprechende Produkte zurückgreifen. Allerdings haben die Brüder Ryll nicht nur Produkte für Wiederverwender, sondern auch für Endverbraucher im Portfolio. Dazu zählen diverse Öle, Getränke, Essige, Saaten, Honig oder Tee – nicht zu vergessen das Fleisch der eigenen Tiere.
Vermarktet werden die Produkte über Edeka und Rewe in Brandenburg sowie kleinere Fachgeschäfte, externe Hofläden und einige gastronomische Betriebe. Stark sind die Absätze vor allem beim Online-Angebot, das künftig von einem eigenen Hofladen flankiert werden soll. „Zurzeit sind das bei uns eigentlich eher Lagerverkäufe. Aber es gibt Überlegungen, aus unserem Betriebsgebäude einen kleinen Hofladen auszulagern, so dass wir dort auch mehr Produkte von anderen Betrieben anbieten können“, so Tino Ryll.
Obwohl die Brüder Ryll in der regionalen Lebensmittelwirtschaft bereits gut vernetzt sind, würden sie sich freuen, mehr Brandenburger Kooperationspartner für die Weiterverarbeitung zu finden. Das betrifft nicht nur die Mehle für das Bäckerhandwerk, sondern auch den Einsatz der vielfältigen Öle bei entsprechenden Herstellern. Für die Produktion im eigenen Betrieb gibt es bereits die eine oder andere neue Idee. Favorit ist derzeit die Herstellung von Pesto.












































































































































































































