Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH

Die Milchtankstelle: Regionalität kombiniert mit Retrospektive

Der Landhof in Buchholz, nur 50 km vom Berliner Stadtzentrum entfernt und inmitten der Brandenburger Seenlandschaft gelegen, ist seit 1990 ein mittelständischer Familienbetrieb, der heute in zweiter Generation geführt wird. Das Hauptprodukt des Betriebes mit seinen 750 Milchkühen ist derzeit die Hofmilch, die auf ungewöhnlichen Wegen vertrieben wird, und zwar mit Hilfe von Automaten und Dispensern an unterschiedlichen Standorten.

Benjamin Meise, Geschäftsführer der landwirtschaftlichen Unternehmensgruppe, musste vor wenigen Jahren mit seiner Familie eine weit reichende Entscheidung treffen. Grund dafür waren letztlich zwei Überlegungen: Wer mit Milchkühen sein gutes Auskommen haben will, muss sich erstens von den unberechenbaren Mengen- und Preisbewegungen auf den Rohstoff-Weltmärkten abkoppeln; und er muss sich zweitens von den großen Molkereien unabhängig machen, da sie häufig nicht kostendeckend arbeiten. Aber wie? Was ist zu tun, wenn man die Milchkühe behalten und mit dem wertvollen Rohprodukt eine bessere Wertschöpfung erzielen will?

Das war die Antwort: „Da wir die einzig reelle Chance in der Direktvermarktung sahen, haben wir 2015 bei uns im Hof die erste Rohmilch-Tankstelle installiert“, erzählt der innovative Landwirt, der auf der Basis dieser Entscheidung aus der fremdbestimmten Not eine selbstbestimmte Tugend gemacht hat. Die privaten Abnehmer kommen heute auf den Hof und „betanken“ ihre Milchkannen mit der frischen, unbearbeiteten Milch. Das sei natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss, sagt Meise und nennt den Grund: „50 bis 100 Liter Absatz bei 22 Tonnen Tagesproduktion sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

So zog die zuvor getroffene Grundsatzentscheidung eine weitere nach sich: „Die Milchtankstelle“ sollte multipliziert und an verschiedenen Standorten in Brandenburg und Berlin aufgestellt werden. Das war schneller gesagt als getan. Denn wer Milch quasi außerhalb der eigenen vier Wände – also des Hofes – verkaufen will, muss sie vorher pasteurisieren. Also baute man in zwei bis drei Jahren eine kleine Hofmolkerei, die im Frühjahr 2018 in Betrieb gegangen ist. Als das erledigt war, konnten die ersten Milchautomaten in Edeka-Supermärkten aufgebaut werden. Die Betreiber schlagen auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe: Regionalität des Produkts (was ja heute bei den Kunden besonders gefragt ist) und Erlebniseinkauf mit Retrospektive (Milcheinkauf in der eigenen Kanne). Kommunikativ unterstützt wird dies mit der Werbebotschaft „Schmeckt wie früher“.

Um den Absatz zu beflügeln, wird weiter an neuen Konzepten gebastelt. So hält man beispielsweise nach Standorten Ausschau, die sieben Tage die Woche geöffnet haben. Die Erfahrungen mit dem Hofladen haben nämlich gezeigt, dass die Nachfrage nach Milch an Wochenenden besonders hoch ist. Eine weitere Variante sind leere Flaschen mit Geschmackspulver, so dass die Kunden sich ihren Kakao oder Vanille-Milchshake vor Ort frisch und in Eigenregie mixen können. Bei einem weiteren Ansatz wird die Milch in Dispensern angeboten (vergleichbar den Saftspendern im Frühstücksbereich von Hotels). Dieses Verfahren nimmt in den Supermärkten weitaus weniger (teuren) Regalplatz in Anspruch als der etwas ausladende Milchautomat. Heute sind je sieben Automaten und Dispenser im Einsatz.

Natürlich hat ein solches Vermarktungskonzept seinen Preis. Anders ausgedrückt: Die Milch muss teurer sein als die Produkte anderer Anbieter, da sie individuell zu den Automaten transportiert und die Geräte selbst gründlich gereinigt werden müssen. „Das ist ein sehr aufwändiges und personalintensives Geschäft“, unterstreicht Meise, ist aber überzeugt, dass er künftig die gesamte Rohmilch selbst vermarkten kann – nicht nur als Milch, sondern auch veredelt zu Joghurt- oder Käsespezialitäten.

Kontakt:

Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH

Buchholzer Dorfstraße 23

15518 Steinhöfel

Tel. 033636/27611

benjamin.meise@agrafrisch.de