Das im Jahre 1990 aus einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft gegründete Unternehmen fühlt sich der Tradition des Werderaner Obstanbaus eng verbunden und arbeitet noch heute mit den heimischen Obst- und Gemüseerzeugern aus dem Havelland eng zusammen. Im Laufe der Jahre ist aus dem tief mit seiner Herkunft verwurzelten Betrieb ein moderner Marktplayer geworden, der seine vielfältigen Aktivitäten in einem schlagkräftigen Firmenverbund organisiert und gebündelt hat. Auf diese Weise lebt sein Geschäftsmodell von einer Strategie des (fast) „Alles aus einer Hand“: vom eigenen Obst- und Gemüseanbau über die Verarbeitung der Produkte, vom Warenbezug aus anderen Regionen Deutschlands bis zu Importen aus aller Welt sowie von der Lagerhaltung und Logistik bis zur Vermarktung in unterschiedliche Vertriebskanäle. Geschäftsführerin Petra Lack sprach mit uns über die Herausforderungen und Perspektiven.
Ein derart breit aufgestelltes Unternehmen braucht viele helfende Hände, die das Geschäft am Laufen halten. Bei Werder Frucht sind das gut 100 in Vollzeit Beschäftigte, die während der Erntesaison zusätzlich von ca. 100 Saison-Arbeitskräften im Anbau unterstützt werden. Bei der Größe der selbst bewirtschafteten Anbauflächen, wo vieles noch per Hand erledigt werden muss, braucht man eben einen starken „Personalkörper“. Die eigenen Anbauflächen summieren sich immerhin auf insgesamt ca. 85 Hektar, was für einen Gartenbaubetrieb eine respektable Größenordnung darstellt.
Ungefähr 25 Hektar der Anbaufläche befinden sich unter Glas, also in Gewächshäusern, wo Tomaten, Auberginen, Paprika und Gurken bis zur Marktreife untergebracht werden. Die größere Freilandfläche (ca. 60 Hektar) steht dem Obstanbau zur Verfügung: Äpfel, Zwetschgen und Kirschen. Da die Nachfrage mit den „Eigengewächsen“ allein nicht befriedigt werden kann, arbeitet man zusätzlich mit Erzeugern aus Brandenburg und benachbarten Regionen zusammen; zu nennen ist hier vor allem Mecklenburg-Vorpommern. Ganz zu schweigen von den Obstlieferanten aus Südeuropa und Übersee, die das Werderaner Unternehmen mit exotischen Früchten versorgen.

Bei aller Internationalität versteht sich das Unternehmen aber als konsequenter Verfechter von Regionalität, wie Petra Lack betont. Und das nicht nur, weil ein namhafter Anteil der Ware aus heimischen Gefilden stammt. Regionalität wird bei den Werderanern nämlich als „Nähe“ verstanden, und zwar nicht nur im geografischen, sondern auch im partnerschaftlichen Sinne: Lieferant und Abnehmer kennen sich persönlich und leben die gleichen (hohen) Qualitätsansprüche.
Bei der Vermarktung spielt sich der Löwenanteil tatsächlich in Berlin und Brandenburg ab. Zu den Kunden zählen hier der Lebensmittelgroß- und Einzelhandel, Restaurants und Hotels, Großküchen, Kindergärten, Kliniken und Sozialeinrichtungen. Mit Blick auf die Gastronomie und die Kunden der Großverpflegung ist das klassische Sortiment um so genannte Ergänzungsartikel erweitert: Konserven und Getränke, geschälte Kartoffeln, verarbeitetes Obst und Gemüse sowie Molkereiprodukte, vieles auch in Bioqualität. Dazu Petra Lack: „Das muss sich für den Kunden und für uns gleichermaßen lohnen, so dass unsere Produktpalette in diesem Bereich umfassender ist als in unserem Basisgeschäft.“
Trotz des Bekenntnisses zum Thema Regionalität (Werder Frucht gehört zu den Unterstützern der Brandenburger Marketingkampagne „Deine Wahl ist regional“) macht Petra Lack auch deutlich, dass das im praktischen Geschäft kein Selbstläufer ist, sondern immer wieder mit Leben gefüllt werden muss. „Wir merken natürlich, dass die Endverbraucher wie unsere Großkunden sehr auf den Preis gucken“, erklärt sie. Das liege nicht nur an der Preisstrategie der Discounter in Deutschland, sondern auch an den Kampfpreisen ausländischer Lieferanten, etwa aus den Niederlanden oder Südeuropa. „Dieser Situation müssen wir uns stellen. Vor wenigen Jahren sah das noch etwas anders aus“, fügt sie hinzu.

Die Botschaft lautet also: Wir stehen zu unserer regionalen Strategie, obwohl die Bedingungen schwieriger geworden sind. Hinzu kommt ein unberechenbarer externen Faktor, auf den das Unternehmen wenig bis keinen direkten Einfluss hat, der sich aber unmittelbar (negativ) auf das Geschäft auswirkt: der Klimawandel. Vor allem die Obstanbauflächen sind davon betroffen. Hier ein Beispiel aus dem vorigen Jahr: Als wegen des vergleichsweise warmen Frühlings der Entwicklungsstand der Bäume recht fortgeschritten war, setzte Mitte April plötzlich eine Frostperiode ein. Das führte bei Werder Frucht zu einem 98prozentigen Ernteausfall aller Früchte. „Das war eine volle Katastrophe“, erinnert sich Petra Lack.
In diesem Jahr sieht es etwas besser aus, obwohl die Süßkirschenernte praktisch ausfiel. Im Unterschied dazu ist der Zwetschgen-Behang so üppig, dass gute Erträge zu erwarten sind. Doch das gilt nicht nur für Brandenburg, sondern für alle Obstbauregionen Deutschlands mit der Folge, dass die Preise fallen werden. Bei Äpfeln müsse man abwarten, heißt es; durch den Frostbefall in der Blütephase sei mit Verschorfungen zu rechnen, was im Jargon des Lebensmittelhandels unter dem Begriff „Wetteräpfel“ mit den entsprechenden Preisabschlägen laufe.
Trotz der wetterbedingten Kapriolen gibt es keine Planungen zum Anbau klimaresilienter Kulturen. „Derzeit haben wir nicht vor, irgendwelche Experimente zu starten. Wir sind ein traditionelles Obstbauunternehmen und halten es für schwierig, mit Sonderkulturen in den gewohnten Größenordnungen den notwendigen Absatz zu generieren“, sagt Petra Lack. „Was uns aber umtreibt, ist der Mindestlohn. Wenn der weiter steigt, stehen wir und die gesamte Branche vor der Frage, wie lange sich die Produktion in Deutschland noch lohnt. Dieser Frage muss sich die Politik stellen und lösungsorientierte Antworten geben“, so ihr abschließender Appell.

